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Pressemitteilung

Nr. 493 vom 17.10.2022

Gasmangellage droht weiterhin - Ostalbkreis und Energieversorger planen für den Ernstfall

Sparen, sparen, sparen - so lautet das Fazit, das Landrat Dr. Joachim Bläse und die Geschäftsführer der Energieversorgungsunternehmen im Ostalbkreis allen Gasverbrauchern bei einem Pressegespräch im Aalener Landratsamt auch für die kommenden Wochen ans Herz legen. Gleichzeitig informierten der Landrat und Kreisbrandmeister Andreas Straub über die Vorkehrungen des Kreises und der Kommunen für den Fall, dass es tatsächlich zu einer sogenannten Gasmangellage im Winter kommt.

Die Spitzen der Energieversorgungsunternehmen im Kreis haben in der vergangenen Woche Landrat Dr. Joachim Bläse und alle Bürgermeisterinnen und Bürgermeister über den aktuellen Stand der Versorgungssituation, vor allem bei Gas, informiert. Demgemäß bleibt es nach dem Start der Heizperiode weiterhin sehr wahrscheinlich, dass es zu einer Gasmangellage kommt. Dies auch deshalb, weil trotz gestiegener Preise und Sparappellen der Verbrauch im nichtindustriellen Bereich, also bei den Haushalts- und Gewerbekunden, um rund zehn Prozent höher lag als noch im Durchschnitt der Vorjahre. Der industrielle Verbrauch ist hingegen verglichen mit dem durchschnittlichen Gasverbrauch der letzten Jahre rückläufig.

Dass die Lage durchaus ernst ist, machten der Ostalb-Landrat und die Geschäftsführer der Stadtwerke sowie der EnBW ODR deutlich. Gleichzeitig richteten sie einen erneuten Appell an die Öffentlichkeit, konsequent Gas einzusparen. Angesprochen sind nicht nur Privathaushalte, sondern auch Vereine mit eigenen, gasbeheizten Liegenschaften oder etwa Eigentümer und Mieter großer Verwaltungsgebäude.

Auch wenn bundesweit die Erdgasspeicher inzwischen zu rund 95 Prozent gefüllt sind, wird dieser Vorrat für den Fall, dass Gas nicht mehr im benötigten Umfang nachgeliefert wird, innerhalb von sechs bis acht Wochen geleert sein. Das betonte Christoph Trautmann, Geschäftsführer der Stadtwerke Aalen, und belegte dies anschaulich mit belastbaren und aktuellen Zahlen: "Das Eintreten einer Gasmangellage ist eine realistische Möglichkeit!"

Frank Reitmajer, Vorstand der EnBW ODR, zeigte die bisherige Schlüsselbedeutung des russischen Gases auf. Im Jahr 2020 seien 870 Terawattstunden, das sind 870 Milliarden Kilowattstunden, Erdgas verbraucht worden. Davon stammten 50 Prozent aus Russland, 35 Prozent aus Norwegen, sieben Prozent waren LNG, also Flüssiggas, und sonstige Importe und sechs Prozent stammten aus Eigenproduktion. Im Ergebnis müssten im Extremfall also rund 435 Terawattstunden Gas, die bislang aus Russland kamen, ersetzt werden. Auch wenn kurzfristig umsetzbare Einspar- und Substitutionspotenziale ausgeschöpft werden, bleibt nach Einschätzung der EnBW ein Teil Erdgas, der nicht ersetzt werden kann, falls die Liefermengen aus Russland völlig ausbleiben.

Theoretisch müssen für den Fall eines Gasmangels zuerst Industriekunden vom Netz genommen werden. Vor allem auf Gemeindeebene reicht diese Maßnahme aber womöglich nicht aus, weil vor Ort im Netz Gas fehlt, obwohl bundesweit genügend Gas vorhanden wäre. Ganz praktisch wird dann auch beim sogenannten "geschützten Bereich", nämlich den Privatkunden, kein Gas mehr geliefert werden können, wenn der Druck im Gasnetz unter 3 bar fällt.

Konsequenz ist ein Heizungsausfall, der dann - sobald wieder Gas fließen sollte - nicht einfach per Knopfdruck von jedem Hausbesitzer selbst behoben werden kann. Vielmehr muss ein Heizungsinstallateur mit einem Monteur des Gaslieferanten jede einzelne Heizung wieder in Betrieb nehmen. Der Grund dafür ist, dass sich in den Gasleitungen unter Umständen ein explosives Gas-Luft-Gemisch gebildet haben kann.

Stefan Powolny, Geschäftsführer der Stadtwerke Ellwangen, Peter Ernst, Geschäftsführung Stadtwerke Schwäbisch Gmünd, und Holger Röhrer, GEO - Gesellschaft für Energieversorgung Ostalb, betonten, für einen sicheren Winter müssten 20 Prozent Gas eingespart werden. Und auch Stromsparen helfe dabei, dieses Ziel zu erreichen. Schließlich werden rund 14 Prozent des Stroms mit Gas erzeugt, um die Schwankungen der Erneuerbaren Energieerzeugungsanlagen auszugleichen.

Landrat Dr. Joachim Bläse sieht aktuell die noch fehlende Akzeptanz in vielen Teilen der Gesellschaft als Problem. "Wir wollen keine Ängste schüren, aber angesichts der auf dem Tisch liegenden Fakten muss uns allen klar sein, dass wir auf eine Gasmangellage zusteuern. Auch ist in Versorgerkreisen bereits von kleineren lokalen Strom-Black-outs die Rede", so der Landrat, "jeder Kubikmeter Gas, der eingespart werden kann, hilft uns über den Winter!" Ganz deutlich wurde Bläse, was die Unternehmen betrifft. Es dürfe nicht so weit kommen, dass die Wirtschaft mit vielen Arbeitsplätzen wegen Gasmangel nicht mehr produzieren könne. Dies würde eine Abwärtsspirale in Gang setzen mit schwerwiegenden Folgen für den Arbeitsmarkt. "Wir müssen neben den jetzt notwendigen Sparanstrengungen zugleich aber auch in die Zukunft schauen. Die aktuelle Lage macht deutlich, dass wir uns gut überlegen müssen, wie können wir Energie künftig finanzieren und organisieren."

Bläse erinnerte an die Verordnung des Bundes zur Sicherung der Energieversorgung, die bis Ende Februar gilt und in den Regelungen zur Energieeinsparung enthalten sind. Anfang September hatten sich Kreis und Kommunen auf weitergehende Maßnahmen geeinigt, die aber durch Vorgaben des Landes teils wieder aufgehoben wurden. "Die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister und der Ostalbkreis sind bereit, alle denkbaren Energiesparmaßnahmen umzusetzen", so Bläse, der aber deutliche politische Signale vom Bund hinsichtlich der Realität einer Gasmangellage und auch vom Land einfordert.

Um auf eine Gasmangellage vorbereitet zu sein, hat die Landkreisverwaltung unter Federführung von Kreisbrandmeister Andreas Straub, der den Bereich Katastrophenschutz verantwortet, mit den Städten und Gemeinden bereits Vorkehrungen getroffen. Straub stellte allerdings klar, dass mit den Möglichkeiten des Katastrophenschutzes ausgefallene Infrastrukturen nicht flächendeckend ersetzt werden können. Nur die unmittelbaren Gefahren für Leib und Leben und die Linderung der schlimmsten Folgen für die Bevölkerung stehen im Zentrum der Planungen. "Wir bereiten uns intensiv auf das Szenario Gasmangellage vor. Alle Bürgerinnen und Bürger müssen jedoch im Zuge der Selbsthilfe rechtzeitig vorsorgen und sollten für ein paar Tage Vorräte im Haus haben", informierte Straub und verwies hierzu auf die Homepage des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Die Einrichtung von zentralen Notfallpunkten für die Bürgerinnen und Bürger in den Gemeinden gehört laut Straub ebenso zu den Maßnahmen wie die Sicherstellung der Kommunikation zwischen Kreis und Kommunen.

Dabei spielen laut Straub die Freiwilligen Feuerwehren vor Ort eine zentrale Rolle. "Wir haben ein sogenanntes ´Leuchtturmkonzept´ erarbeitet, sodass in kürzester Zeit in jeder Stadt und Gemeinde das Feuerwehrhaus als Schnittstelle zu den Führungsstäben, zur Regionalleitstelle Ostwürttemberg für Feuerwehr und Rettungsdienst und damit zu den Wehren und Rettungsdiensten eingerichtet werden kann. Auch bei Stromausfall sind die Feuerwehrhäuser per Funk erreichbar. Auf diese Weise stellen wir sicher, dass wir arbeitsfähig bleiben. Ein weiterer Baustein ist die Ausrüstung der Gemeinden mit Satellitentelefonen", so Straub weiter. Kritische Infrastruktur könne eine gewisse Zeit lang mit Hilfe von Notstromaggregaten weiterbetrieben werden. Der Katastrophenschutzstab des Landratsamts und der Führungsstab des Landkreises für die Blaulichtorganisationen, haben sich bei Übungen bereits auf das Krisenszenario Gasmangel eingestellt.

Damit es hoffentlich erst gar nicht zu einem vollständigen Gasausfall kommt, bitten Landrat Dr. Bläse, der Kreisbrandmeister und die Geschäftsführer der Energieversorger abschließend erneut eindringlich: "Sparen Sie Energie und vor allem Gas! Das Senken der Raumtemperatur um ein Grad spart schon sechs Prozent Energie. Kippen Sie zum Lüften nicht die Fenster, sondern öffnen Sie diese zum kurzen Stoßlüften. Und reduzieren Sie Ihren Warmwasserverbrauch. Jeder gesparte Kubikmeter Gas hilft!"


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Gasmangellage droht weiterhin - Ostalbkreis und Energieversorger planen für den Ernstfall

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