Nr. 323 vom 24.07.2026
Psychische Erkrankungen mitten unter uns
Mitten im Alltag – und doch oft unsichtbar sind oftmals psychische Erkrankungen. Der Gemeindepsychiatrische Verbund (GPV) und der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Verbund (KJPV) informierten kürzlich im Aalener Landratsamt Fachpraxis, Selbsthilfe und Bürgerschaft über seelische Gesundheit und boten eine Plattform für Austausch.
In ihrem Impulsvortrag stellte Dr. med. Stephanie Grund-Lipowsky zentrale Fakten und Entwicklungen dar. Demnach sind jährlich rund 28 Prozent der erwachsenen Bevölkerung von psychischen Erkrankungen betroffen, jedoch sucht nur ein Teil professionelle Hilfe. Psychische Erkrankungen zählen zudem zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentung. Vor diesem Hintergrund wurde die Bedeutung von Prävention, frühzeitiger Unterstützung und einer gut abgestimmten Versorgungsstruktur hervorgehoben. Ziel aller Hilfen sei das Wohlergehen der Betroffenen unter Wahrung ihrer Autonomie.
Einen sehr persönlichen und bewegenden Einblick bot anschließend Uschi Schneider-Eichbaum aus Angehörigensicht. In ihrem Erfahrungsbericht schilderte sie eindrücklich die Situation als Mutter eines psychisch erkrankten Kindes. Fragen wie "Haben wir etwas falsch gemacht?" oder "Wo finden wir Hilfe?" begleiteten den Alltag der Familie. Ihre lebensnahe Darstellung machte deutlich, welchen Belastungen Angehörige ausgesetzt sind und wie wichtig Unterstützung, Orientierung und Austausch sind.
In der Podiumsdiskussion kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Medizin, Polizei, Justiz, Gemeindepsychiatrie und Eingliederungshilfe zu Wort. Einigkeit bestand darin, dass psychische Erkrankungen in allen gesellschaftlichen Bereichen an Bedeutung gewinnen. Die Notwendigkeit von Prävention, frühzeitigen Hilfen und einer besseren Verzahnung der Angebote wurde mehrfach betont. Thematisiert wurden unter anderem Versorgungslücken an Schnittstellen, insbesondere beim Übergang vom Jugend- ins Erwachsenenalter, sowie die zunehmende Belastung von Kindern und Jugendlichen.
Hervorgehoben wurde auch die Rolle niedrigschwelliger Angebote der Gemeindepsychiatrie, die durch aufsuchende Arbeit wichtige Einblicke in die Lebensrealität der Betroffenen ermöglichen. Die Eingliederungshilfe wurde als zentraler Baustein für gesellschaftliche Teilhabe benannt. Zudem wurde deutlich, dass Angehörige stärker in den Blick genommen werden müssen.
Als zentrales Fazit wurde die Bedeutung des sogenannten Trialogs, also des Zusammenwirkens von Betroffenen, Angehörigen und Fachkräften, hervorgehoben. Die Veranstaltung unterstrich damit die Relevanz eines vernetzten Handelns im Ostalbkreis, um Menschen mit psychischen Erkrankungen bestmöglich zu unterstützen.


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