Nr. 24 vom 21.01.2026
Neujahrsimpuls für Europa: Bundespräsident a. D. Christian Wulff wirbt im Landratsamt Ostalbkreis für Verantwortung, Empathie und ein starkes Europa
Mit einem eindringlichen Plädoyer für demokratische Verantwortung, europäische Geschlossenheit und gesellschaftliche Empathie hat der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff beim "Neujahrsimpuls für Europa" im Landratsamt Ostalbkreis zentrale Herausforderungen unserer Zeit benannt. Zu der gemeinsamen Veranstaltung des EUROPoint Ostalb und der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP), Sektion Ostwürttemberg, waren zahlreiche Gäste aus Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft und Bürgerschaft gekommen.
Musikalisch umrahmt wurde der Abend vom Kammerensemble des Heeresmusikkorps Ulm. Landrat Dr. Joachim Bläse sowie Gerhard Ziegelbauer (GSP Ostwürttemberg) begrüßten die Anwesenden und betonten die Bedeutung des offenen Dialogs über Demokratie und europäische Werte – gerade auf kommunaler Ebene.
In seinem Vortrag stellte Christian Wulff die Frage nach der Resilienz der Demokratie in einen historischen wie aktuellen Kontext. Demokratie und wirtschaftliche Stabilität gehörten untrennbar zusammen, betonte Wulff, berechtigte Sorgen müssten ernst genommen werden – ohne dabei stets das Trennende und Problematische in den Vordergrund zu stellen. Nicht das Klagen solle unsere Mentalität prägen, sondern die Lust auf Zukunft und gemeinsames Gelingen, so Wulff.
Mit einem Blick in die Geschichte erinnerte er daran, dass ausgehend vom Zweiten Weltkrieg der Wunsch nach Frieden, Transparenz und multilateraler Zusammenarbeit entstanden sei. 80 Jahre Frieden seien in der deutschen Geschichte einmalig und der Verdienst der europäischen Einigung. Die Anfänge des vereinten Europas wurden maßgeblich von christlich geprägten Persönlichkeiten wie Konrad Adenauer, Robert Schuman und Alcide De Gasperi gestaltet, deren Haltung von Demut, Versöhnungsbereitschaft und Nächstenliebe den europäischen Einigungsprozess entscheidend prägte.
Wulff erinnerte an die Euphorie des Jahres 1989, als viele an einen selbstverständlichen Siegeszug der Demokratie glaubten. Heute hingegen sei ein Rückzug aus politischem Engagement zu beobachten, ein großer Teil der Gesellschaft sei gleichmütig geworden. Demokratie brauche jedoch aktive Demokratinnen und Demokraten, die wählen gehen und in politischen Ämtern Verantwortung übernehmen.
Besorgt zeigte sich Wulff über die zunehmende Missachtung demokratischer Institutionen, etwa in den USA, sowie über autoritäre und völkische Ideologien, die auf das Recht des Stärkeren setzten. Dem stellte er das Fundament des Grundgesetzes entgegen: die Unantastbarkeit der Menschenwürde. Empathie sei dabei keine Schwäche, sondern eine der größten europäischen Stärken. Unter Bezug auf Hannah Arendt warnte Wulff eindringlich davor, den Verlust von Mitgefühl als Vorboten gesellschaftlicher Barbarei zu unterschätzen. Als Gründe für den aktuellen Druck auf demokratische Systeme nannte Wulff unter anderem den erstmaligen Rückgang der Erwerbstätigen bedingt durch demografischen Wandel, wirtschaftliche Umbrüche und globale Verschiebungen insbesondere durch den Aufstieg Chinas sowie die radikal veränderte Kommunikationslandschaft. Soziale Medien verstärkten Polarisierung, ungeprüfte Informationen ersetzten zunehmend verlässlichen Journalismus. Migration hingegen sei nicht das Kernproblem: Ohne Menschen mit Einwanderungsgeschichte funktionierten in Deutschland weder Pflege, Gesundheitswesen noch Einzelhandel.
Trotz aller Herausforderungen zeigte sich Wulff überzeugt von Europas Zukunftsfähigkeit. Europa verfüge über ein starkes Gesundheitssystem, hohe Bildungsstandards, soziale Sicherung, Innovationskraft und wirtschaftliche Stärke. Mit weniger Bürokratie, mehr Kooperation und einer Vertiefung der europäischen Einigung – etwa durch eine Kapitalmarkt- und Sicherheitsunion – könne Europa seine Potenziale besser entfalten. "MEGA – Make Europe great again", so Wulff, bedeute nicht Rückschritt in Nationalismus, sondern den Mut, gemeinsame Werte und Innovationen aktiv zu gestalten.
Abschließend warf Christian Wulff eine grundlegende Frage zur Zukunft der Europäischen Union auf: Entsteht ein starkes Europa nur aus Trümmern und existenziellen Krisen – oder gelingt europäische Einigung auch heute, in vergleichsweise guten Zeiten? Ein starkes Europa brauche den bewussten Willen zur Kooperation, bevor Krisen den Handlungsrahmen diktieren. Demokratie und europäische Einigung müssten aktiv gestaltet werden – nicht aus der Not heraus, sondern aus Überzeugung.
Nach dem Ende des offiziellen Programms nahm sich Christian Wulff noch viel Zeit für persönliche Gespräche mit den Gästen und stand für Erinnerungsfotos zur Verfügung. Damit klang ein Abend aus, der nicht nur zum Nachdenken über die Zukunft von Demokratie und Europa anregte, sondern auch den offenen Dialog und die persönliche Begegnung in den Mittelpunkt stellte – als Grundlage für demokratische Resilienz vor Ort.


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