Nr. 117 vom 21.03.2025
Finanzielle Unabhängigkeit als Schüssel zur Reduktion von Altersarmut und Emanzipation
Am 12. März 2025 veranstaltete die Kontaktstelle Frau und Beruf Ostwürttemberg einen hochkarätigen Vortrag mit der renommierten Finanzexpertin, Buchautorin und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes am Bande Helma Sick unter dem Titel "Ein Mann ist keine Altersvorsorge – Warum finanzielle Unabhängigkeit für Frauen so wichtig ist". Die Veranstaltung beleuchtete eindrucksvoll, welche weitreichenden Folgen finanzielle Abhängigkeit für Frauen haben kann und welche Schritte in Politik, Gesellschaft und Partnerschaft notwendig sind, um eine eigenständige und gesicherte Zukunft zu gestalten.
Gesellschaftliche Kosten traditioneller Rollenbilder
Helma Sick machte deutlich, dass traditionelle Modelle wie die "Hausfrauenehe" oder das "Zuverdienermodell", die überwiegend in gut verdienenden Ehen gelebt werden, nicht nur Frauen in finanzielle Abhängigkeit drängen, sondern auch erhebliche monetäre Kosten für die Gesellschaft verursachen. Beispielsweise profitieren insbesondere gutverdienende Haushalte durch das Ehegattensplitting, die beitragsfreie Mitversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung und die Witwenrente, ohne dass eine eigene Erwerbstätigkeit der Frauen gefördert wird. Sick kritisierte, dass diese finanziellen Anreize, die auch von beispielsweise Alleinerziehenden und gering Verdienenden mitfinanziert werden, Frauen davon abhalten, sich eine eigene wirtschaftliche Basis zu schaffen, was letztendlich das Risiko von Altersarmut erhöht. Im Zuge von Trennungen oder einem frühen Tod des Partners verschärft sich die Situation für diese Frauen.
Die Ursachen weiblicher Altersarmut
Frauen erhalten in Deutschland im Schnitt deutlich geringere Renten als Männer – oft als direkte Folge unterbrochener Erwerbsbiografien, nicht qualifikationsgerechter Arbeit und Arbeitszeitreduktion. Faktoren wie Minijobs, langjährige Teilzeitarbeit, unbezahlte Pflege von Angehörigen und das traditionelle Rollenverständnis, das – auch in Partnerschaften ohne Kinder – zur ungleichen Aufteilung von Care-Arbeit führt, tragen dazu bei, dass Frauen im Alter finanziell schlechter gestellt sind. Sick betonte, dass insbesondere lange Erwerbsunterbrechungen gravierende Auswirkungen auf die Altersvorsorge haben. Ein Minijob beispielsweise bringe nach 15 Jahren nur eine Rentenerhöhung von 70 Euro pro Monat.
Notwendige politische und gesellschaftliche Reformen
Um weibliche Altersarmut wirksam zu bekämpfen, fordert Helma Sick tiefgreifende Reformen:
• Abschaffung aller finanziellen Anreize, die Frauen von einer Erwerbstätigkeit abhalten. Dies müsse langfristig mit Übergangsfristen gestaltet werden.
• Reform des Ehegattensplittings zugunsten einer modernen Familienpolitik.
• Ausbau und finanzielle Förderung von Kinderbetreuungsangeboten, um Eltern und insbesondere auch Frauen eine Vollzeit- oder zumindest existenzsichernde Erwerbstätigkeit zu ermöglichen.
• Absicherung beruflich selbständiger Frauen durch eine Aufnahme in die gesetzliche Rentenversicherung.
• Stärkere Verantwortung der Unternehmen, die sich mit Blick auf die Rendite auszahlt: Durch familienfreundliche Arbeitszeiten, Homeoffice-Angebote und betriebliche Unterstützungsleistungen wie z.B. Unterstützung im Bereich Haushalt könnten Frauen und auch Väter besser in den Arbeitsmarkt integriert werden. Dadurch werden auch Kosten im Zuge von Personalfluktuation reduziert.
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Frauen müssen selbst aktiv werden
Neben politischen und gesellschaftlichen Veränderungen rief Sick insbesondere Frauen dazu auf, sich nicht mit der Rolle des "Opfers" zu begnügen, sondern selbst Verantwortung für ihre finanzielle Zukunft zu übernehmen. Ein zentraler Punkt sei die Absicherung durch Partnerschafts- und Eheverträge sowie eine bewusste und frühe Auseinandersetzung mit den eigenen finanziellen Perspektiven, vor allem im Falle einer Arbeitszeitreduktion und der ungleichen Aufteilung der Care-Arbeit.
"Lieber jetzt unromantisch als später arm"
Ein wesentlicher Tipp von Helma Sick lautete: "Hope for the best, prepare for the worst." Frauen sollten sich nicht auf das traditionelle Rollenmodell verlassen, sondern aktiv und gemeinsam mit dem Partner eigene finanzielle Vorsorgemaßnahmen treffen. Dies gilt für Ehen wie auch für nichteheliche Lebensgemeinschaften. Zu den Vorsorgemaßnahmen gehören die langfristige Planung der Erwerbstätigkeit, das eigenständige Sparen für das Alter und klare Absprachen etwa zur Aufteilung der Care-Arbeit in der Partnerschaft oder über Unterhaltsansprüche im Falle einer Trennung. In den Fokus rücken in diesem Kontext auch Frauen, die bei ihren beruflich selbständigen Männern, oftmals über Jahre lediglich in Minijobs, mitarbeiten. Diese seien im Fall einer Trennung nur selten abgesichert. Auch hier gilt es, Absprachen zu treffen und darauf zu dringen, fest angestellt zu werden.
Fazit: Finanzielle Unabhängigkeit als Lebensziel
Die Veranstaltung verdeutlichte, dass finanzielle Unabhängigkeit nicht nur eine Frage des Geldes, sondern auch der eigenen Würde und Selbstbestimmung ist. Frauen sollten sich nicht in wirtschaftliche Abhängigkeit begeben, sondern frühzeitig die Weichen für eine sichere Zukunft stellen. Denn eines ist klar: Wer ökonomisch auf eigenen Beinen steht, kann frei entscheiden – und ist nicht gezwungen, in einer unglücklichen oder gar prekären Lebenssituation zu verharren.
Über Helma Sick:
Helma Sick gilt als die „Grande Dame“ der Frauen-Finanzen. Sie engagiert sich seit über 35 Jahren für die finanzielle Unabhängigkeit von Frauen und hat 1987 als eine der ersten in Deutschland ein unabhängiges Finanzberatungs-Unternehmen für Frauen gegründet. Helma Sick ist Autorin mehrerer erfolgreicher Finanzratgeber und schrieb mehr als 26 Jahre zu Geldthemen Für BRIGITTE WOMAN und BRIGITTE. Sie ist außerdem eine sehr gefragte Rednerin und hält seit vielen Jahren Vorträge in ganz Deutschland. Am 20.10.2022 wurde Helma Sick vom Bundespräsidenten mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande für ihr jahrzehntelanges Engagement für Frauen ausgezeichnet.
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