Nr. 317 vom 23.07.2026
Wie sicher ist der Weltraum? Vortrag und Diskussion mit Generalmajor Michael Traut
Auf Einladung des EUROPoint Ostalb und der Gesellschaft für Sicherheitspolitik e. V. sprach Generalmajor Michael Traut, Kommandeur des Weltraumkommandos der Bundeswehr, am 2. Juli 2026 vor über 180 interessierten Gästen über die zukünftigen militärischen Herausforderungen im Weltraum und die strategische Bedeutung der Raumfahrt für Europa.
In ihren Grußworten betonten die Erste Landesbeamtin des Ostalbkreises, Gabriele Seefried, und der Sektionsleiter GSP Ostwürttemberg e. V., Gerhard Ziegelbauer, dass sich die sicherheitspolitische Realität des 21. Jahrhunderts deutlich erweitert habe. Der Weltraum sei dabei keine ferne und abstrakte Dimension mehr, sondern Teil der täglichen Lebenswirklichkeit und damit auch Teil der kritischen Infrastruktur, die es zu schützen gelte.
Generalmajor Traut führt die deutschen militärischen Weltraumkräfte und ist verantwortlich für Planung, Einsatz und Weiterentwicklung der Fähigkeiten der Bundeswehr im Weltraum. Dazu gehören unter anderem die Überwachung von Satelliten und Weltraumlage, der Schutz eigener Weltrauminfrastruktur sowie die Unterstützung militärischer Operationen durch weltraumgestützte Dienste. In seinem Vortrag betonte Traut, dass der Weltraum schon lange Schauplatz strategischen Wettbewerbs sei. Mittlerweile habe der Weltraum auch durch private Unternehmen eine rasante Kommerzialisierung erfahren. Während der kommerziell getriebene technische Fortschritt in den USA auf Hochtouren laufe, nehme er auch in Europa langsam Fahrt auf. 181 Raketenstarts 2025 in den USA, 92 in China und 17 in Russland und Neuseeland stehen lediglich acht im selben Zeitraum in Europa gegenüber. Auch die Geschwindigkeit der Satellitenentwicklung sei in den USA deutlich höher als in Europa.
Der Weltraum gehöre zur kritischen Infrastruktur und brauche Schutz. "Wir sind bedroht – jeden Tag" so seine aufrüttelnde Analyse. Zu den Bedrohungslagen zählte er neben Störungen des GPS auch Cyber-Attacken sowie Satelliten, die andere Satelliten verfolgen oder zerstören, bis hin zur möglichen Platzierung nuklearer Sprengkörper im Orbit. Deutschland reagiere darauf mit einer Nationalen Sicherheitsstrategie, einer Raumfahrtstrategie und einer im November 2025 veröffentlichten Weltraumsicherheitsstrategie. Verteilt auf drei Handlungsfelder sei es deren Ziel, Gefahren und Bedrohungen zu erkennen, internationale Kooperationen zu forcieren, Abschreckung aufzubauen, Resilienz zu stärken und gegnerische Fähigkeiten einzuschränken. 35 Milliarden Euro seien bis 2030 im Bundeshaushalt für Projekte der Weltraumsicherheitsarchitektur eingeplant.
Die Europäische Union bezeichnete Traut als durchaus großen Akteur im Weltraum. So sei das Satellitennavigationssystem Galileo präziser als GPS. Das Erdbeobachtungssystem Kopernikus stelle zentrale Informationen für das Umwelt- und Naturschutzmonitoring, die Atmosphären- und Klimaüberwachung und das Krisenmanagement bei Naturkatastrophen bereit. Und mit dem Aufbau des Satellitennetzwerks IRIS² soll die Unabhängigkeit von den USA vorangetrieben und u. a. eine sichere Behördenkommunikation gewährleistet werden. Im Hinblick auf den Produktionsstandort Ostalbkreis regte er zu der Überlegung an, wieviel Weltraum in den Wertschöpfungsketten regionaler Unternehmen stecke und prognostizierte, dass deutlich mehr zu finden sei, als man vermute.
In seinen Kernbotschaften machte Traut deutlich, dass moderne Gesellschaften und moderne Streitkräfte von der Nutzung des Weltraums essenziell abhängig seien. Der Weltraum sei bereits jetzt Gefechtsfeld und man müsse dort entsprechend wehrhaft sein. Die Zusammenarbeit mit Partnern wie den USA sei weiterhin sehr gut und wichtig. So sei Deutschland auch der Operation Olympic Defender beigetreten. Auch innerhalb der NATO verlasse man sich auf die Beiträge der Mitgliedsstaaten, die NATO selbst verfüge über keine Satelliten. Strategische Vorgaben müssten jetzt entschlossen und schnell umgesetzt werden.
Die Raumfahrtindustrie bezeichnete er als Zukunfts- und Wachstumsmarkt mit einer Verdreifachung der Wertschöpfung in den nächsten Jahren. Deutschland dürfe hier nicht nur Zuschauer sein. Es gelte, Mut zum Risiko zu haben und Scheitern nicht als Stigma zu sehen.
Die anschließende Diskussion mit dem Publikum zeigte das große Interesse an der Thematik. Besonders betont wurde dabei auch die gesamtgesellschaftliche Verantwortung für Resilienz, die Bedeutung der Vorbereitung auf Krisen, eine sachliche Kommunikation dazu und das Ehrenamt als Gewinn im Gesamtgefüge. Moderiert wurde die Veranstaltung von Birgit Boeser, Leiterin der Europäischen Akademie Bayern e. V. und Mitglied im Speakers-Pool Team EUROPE DIRECT der Europäischen Kommission.
Im Vorfeld der Veranstaltung trug sich Generalmajor Michael Traut ins Goldene Buch des Ostalbkreises ein.
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