Nr. 255 vom 16.06.2026
Gemeinsame Pressemitteilung des Landratsamts Ostalbkreis, der Kliniken Ostalb und des Vereins Ärztlicher Bereitschaftsdienst Region Schwäbisch Gmünd
Ostalbkreis, Kliniken Ostalb und Verein Ärztlicher Bereitschaftsdienst Region Schwäbisch Gmünd wenden sich gegen geplante Kürzung der Öffnungszeiten der KVBW-Bereitschaftspraxis in Mutlangen
Der Ostalbkreis, die Kliniken Ostalb und der Verein Ärztlicher Bereitschaftsdienst Region Schwäbisch Gmünd sind von der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) darüber informiert worden, dass für die Bereitschaftspraxis am Stauferklinikum Mutlangen eine Reduzierung der Öffnungszeiten vorgesehen ist. Konkret soll die Bereitschaftspraxis montags, dienstags und donnerstags geschlossen bleiben. Bislang ist sie an diesen Tagen jeweils von 18 bis 22 Uhr geöffnet. Die KVBW hat angekündigt, diese Änderung im Rahmen ihrer landesweiten Strukturreform zum 1. September umzusetzen. Im vergangenen Jahr wurden landesweit bereits 18 Bereitschaftspraxen geschlossen, darunter der Standort Ellwangen.
Diese Planung stößt auf entschiedenen Widerspruch. Für den Ostalbkreis steht eine verlässliche medizinische Versorgung der Bevölkerung im Vordergrund. An drei Wochentagen sollen Menschen, die abends auf eine ambulante Anlaufstelle angewiesen sind, weil kein Hausarzt mehr erreichbar ist oder weil ihre Beschwerden keinen Aufschub erlauben, künftig ohne wohnortnahe Anlaufstelle dastehen. Wenn an einer gewachsenen und funktionierenden Struktur Änderungen vorgenommen werden sollen, braucht es dafür eine nachvollziehbare Begründung auf regionaler Datenbasis, die von der KVBW nicht vorgelegt wurde.
Die Bereitschaftspraxis in Mutlangen sichert die ärztliche Versorgung für akute, aber nicht lebensbedrohliche Beschwerden außerhalb der regulären Praxiszeiten. Die hohe Inanspruchnahme der Bereitschaftspraxis zeigt, dass diese einen wichtigen Beitrag für die medizinische Versorgung in der Region leistet.
Die KVBW begründet die Kürzung unter anderem damit, niedergelassene Ärztinnen und Ärzte zu entlasten. "Diese Argumentation greift in Mutlangen jedoch nicht", sagt Dr. Bertold Schuler, Vorsitzender des Vereins, der die Bereitschaftspraxis betreibt. "Die Dienste werden von den Kolleginnen und Kollegen im Raum Schwäbisch Gmünd gerne übernommen. Viele Dienste leisten Kooperationsärzte, darunter Medizinerinnen und Mediziner im Ruhestand, die damit aktiv zur Versorgung beitragen."
Seit der Inbetriebnahme des Neubaus der Zentralen Notaufnahme im Jahr 2023 ist die Bereitschaftspraxis räumlich und organisatorisch in die Abläufe des Stauferklinikums eingebunden. Gemeinsamer Eingang, gemeinsamer Tresen und gemeinsame Triage sorgen dafür, dass Patientinnen und Patienten frühzeitig der geeigneten Versorgungsebene zugeführt werden. Diese Verzahnung entlastet die Notaufnahme und schafft geordnete Abläufe. Die Kliniken Ostalb haben diese Steuerung als Bedingung für die Aufnahme der Praxis in den Neubau gestellt. Sie sollte nicht ohne belastbare Prüfung geschwächt werden.
Die angekündigte Kürzung ist aus Sicht der Kliniken Ostalb vor allem mit Blick auf die oben benannte Steuerung in der Notaufnahme problematisch. Wenn ambulant behandelbare Patientinnen und Patienten in den Abendstunden nicht mehr ausreichend in die Bereitschaftspraxis gelangen, steigt der Druck auf die Notaufnahme. Dort werden Personal und Kapazitäten für Aufgaben beansprucht, die in die Akut- und Notfallversorgung gehören. Am Standort Mutlangen ist die Steuerung bislang gerade deshalb tragfähig, weil Bereitschaftspraxis und Notaufnahme eng verzahnt arbeiten.
Tatsächlich versorgen die Notaufnahmen der Kliniken Ostalb schon heute eine erhebliche Zahl an Patientinnen und Patienten, die ambulant behandelt werden könnten. Werden die Öffnungszeiten der Bereitschaftspraxis weiter verkürzt, verstärkt sich dieser Effekt. Die Kliniken Ostalb erhalten für diese ambulante Mehrversorgung keine kostendeckende Vergütung. Dieser Zustand ist wirtschaftlich auf Dauer nicht tragbar.
Die hausärztliche Versorgung ist in Teilen des Kreisgebiets weiterhin angespannt. Das gilt besonders für Räume mit schwächerer Abdeckung, etwa im Schwäbischen Wald. Gerade dort ist der Bereitschaftsdienst für viele Menschen außerhalb der regulären Sprechstunden die einzige erreichbare ärztliche Anlaufstelle.
Das Bundeskabinett hat im April 2026 eine Notfallreform beschlossen. Vorgesehen sind Integrierte Notfallzentren, in denen Notaufnahme, KV-Notdienstpraxis und eine zentrale Ersteinschätzungsstelle zusammenwirken sollen. Der Standort Mutlangen arbeitet bereits heute nach diesem Konzept. Es ist schwer nachvollziehbar, eine funktionierende Struktur zu verkürzen, bevor die neuen bundesrechtlichen Rahmenbedingungen feststehen.
Der Ostalbkreis, die Kliniken Ostalb und der Verein Ärztlicher Bereitschaftsdienst Region Schwäbisch Gmünd lehnen die geplante Reduzierung der Öffnungszeiten für den Standort Mutlangen ab. Die KVBW trägt den gesetzlichen Auftrag zur Sicherstellung der vertragsärztlichen Versorgung auch außerhalb der regulären Sprechstundenzeiten. Sie erwarten, dass die KVBW diesem Auftrag nachkommt und die geplante Kürzung zurücknimmt.
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