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Sonntag, 31.05.2020 bis 27.09.2020
Ausstellung "SweetNothingSweet"

Veranstaltungsort: Abtsgmünd, Schloss Untergröningen

Auch ohne Vernissage, auf die wir aktuell verzichten müssen, wird es lecker im Schloss Untergröningen, es wird "sweet“, bunt, überbordend.... oder auch nicht: Bereits der Ausstellungstitel implementiert die Ambivalenz, die dem Begriff „sweet“ („süß“) innewohnt: Obwohl semantisch durchweg positiv belegt, birgt das süße Nichts zahlreiche Polaritäten: Von Genuss zu Gesundheitsschädigung, von Verführung bis Sucht, von Dolce Vita bis Überflussgesellschaft: Süß kann glücklich machen oder gefährlich werden. Kann Paradies sein oder Intensivstation, Adipositas oder Magersucht. Und "süß" kann gewaltig Eindruck machen: Muffins, Cupcakes, Torten und Gummibärchen auf Bildern, Fenstern gar, ein Haus aus Naschwerk, ein "Candy Land"... Dabei entsteht Zucker quasi aus dem Nichts: Als Nebenprodukt der Photosynthese, aus Sonnenlicht, Wasser und Co². Ein steter, nicht endender Vorgang in der Natur; und doch war Zucker lange kostbar; Zucker wurde weggeschlossen und rationiert. Der inzwischen unbegrenzte Zugang zu Süßem lief parallel mit der Industrialisierung, danach der Digitalisierung und schuf wesentlich den modernen Menschen der heutigen Überflussgesellschaft: „Sweet“ ist das Lockmittel und zugleich das Lebensgefühl der aktuellen Generationen, die in unserer Gesellschaft mehr als genug haben: Überangebot, Überkonsum, das süße Nichtstun.

Wo läuft die Grenze zwischen "sweet" und "nothing sweet"? Wann wird aus Wohlstand Krankheit? Aus Überangebot und Überkonsum Gefahr für den Fortbestand der Menschheit, der Natur, der Erde? Kuratorin Heidi Hahn trifft dabei voll den Nerv - aktueller könnte die Thematik einer Ausstellung nicht sein. Dabei beschreitet Heidi Hahn einen künstlerischen Diskurs konzeptuell wie ästhetisch durch mehrere Medien: Bildhauerei, Malerei, Szenerie, "Candyland" und "Konsumtempel" verschmelzen mit Skulpturen und Fotoarbeiten wie elektronenmikroskopischen "Karies-Fotos" zu einer Gesamtinstallation, die dem Besucher statt passivem (Zucker-)Konsum "aktive Kunst" bietet. Auf dass er - entsprechend des Aristotelischen Theaters, aber auch angelehnt an Antonine Artauds "Theater der Grausamkeit" - geläutert hervorgeht.

Herausragende Arbeiten sind die „Pralinen-Installationen“ des New Yorker Künstlers Peter Anton, die „Candy“-Landschaften des Londoner Fotografen Carl Warner, Kunst des New Yorkers Kevin Champeny, Arbeiten wie „dem Affen Zucker geben“ von Robert Matthes, „Honig“ von Mirko Schallenberg, leckere hyperrealistische Süßigkeiten von Günter Beier und Susanne Strefel, leckerste Muffins gemalt von Johannes Vetter, daneben Marc Taschowskys "Megaland", Werner Liebmanns "Schlaraffenland" und "Schokoladiges" von Daniel Wagenblast.

Jörg Dörings Arbeiten wie "Candy-Shop" korrelieren mit der "Konsumtempel-Arbeit" der "Wonderbras" mit dem Titel "All you need is love - so why do you keep shopping?" und den „Wohlstandsmüll“-Kaugummis des Schweizers Markus Schwander. Ebenfalls aus der Schweiz: Adrian Lussis elektronenmikroskopische Karies-Aufnahmen, gefolgt von Jeroos "Dentist`s Delight".

Die Anorexia-Fotoarbeiten „Zweiunddreißig Kilo“ der Berliner Künstlerin Ivonne Thein stehen im Gegensatz zu den üppigen "Amnesia" und "Tiger" von Rolf Ohst und einem modernen „Tiny-house“ aus Nippon-Puffreis und Mr. Tom-Erdnussriegeln von Jov T. Keisar. Die Materialien dazu stammen von Hosta-Werk für Schokolade-Spezialitäten GmbH & Co KG in Stimpfach; ebenso wie auch verschiedenste, teilweise historische Schoko-Formen für Schokoladentafeln, Weihnachtsmänner und Osterhäschen. Und Schokolade geht in weitere Dimensionen, wenn sie aus dem 3D-Drucker von "Chocolate³" kommt.

"Süß" bis niedlich bis Comic wird‘s bei Heike Köhler und Bettina Sellmann, bis hin zu Volker Rossenbach. Um dann mit Sara Horwaths "Bourleske" sowie Simone Fezers Arbeiten "La Reina" und "Through" noch eine Schippe drauf zu legen, ehe man sich Nina Joanna Bergolds "10 Frauen" gegenüber sieht. Und dem "süßen Nichts" von Krista Israel aus Glas, Silikon und ein wenig Gold an der entscheidenden Stelle, das genau deshalb den Titel "Qu'est ce que c'est" trägt. Wie gut sich Glas und Süßes vertragen, beweisen vor allem die Arbeiten von Julius Weiland, die ihr zweidimensionales Pendant in Luis Dilgers Grafikarbeiten und Julia Jansens "Spots" finden. Luftig, leicht und lecker leuchten sie auf ihren Podesten und mit den Objekten von Harald Schmitz-Schmelzer um die Wette. Leichtigkeit liegt auch in dem, womit sich Ferdinand Wehe beschäftigt: Vogelfedern, veredelt, ziehen sich an den Wänden entlang. Tausende Gummibärchen reihen sich zu Johannes Cordes Micky-Bildern, dazwischen Skulpturales von Stephan Hasslinger, die "Herzen" des Engländers Alastair Gibson, die "drei Grazien" von Birgit Dieker, oder "Cola Laura" des Australiers Joseph Marr: Eine Skulptur aus Zucker und Coca-Cola, die sogar probiert werden. Darf. Stopp: Durfte. In Corona-Zeiten sind solche Massen-Leckereien natürlich völlig undenkbar. Und auch hier trifft die Ausstellung aktuell mitten ins Schwarze: Der Besucher mag an dieser Stelle reflektieren, wie die letzten Monate sein Verhalten und den gesellschaftlichen Umgang völlig verwandelt haben.

Linda Trefflers Arbeit "Promised Land" findet sich im "Schlaraffenland" der Gruppe "Wonderbras" - der Raum, der das Zeug zur Kult-Selfie-Location hat. Und noch ein gewaltiger Hingucker lockt bereits vor dem Schloss: Riesige Zuckerstangen flankieren den Eingang. Doch was wie Zucker daherkommt, ist "Urban Knitting" - gestrickte Kunst in roter und weißer Wolle, für die sich die Strickgruppe der Landfrauen Untergröningen ins Zeug gelegt hat.

Öffnungszeiten Sa 14 - 18 Uhr, So + Feiertage 11 - 18 Uhr. Eintritt 5 € p.P.

Die Ausstellung bleibt über den Sommer durchgehend bis 27. September geöffnet.

 www.kiss-untergroeningen.de
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