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Dienstag, 05.05.2020 bis 17.01.2021
Sonderausstellung „Gut betucht – Textilerzeugung bei den Alamannen"

Veranstaltungsort: Ellwangen, Alamannenmuseum
Beschreibung: Die seit 7. Februar im Ellwanger Alamannenmuseum präsentierte und bis 5. Mai unterbrochene Sonderausstellung "Gut betucht – Textilerzeugung bei den Alamannen" wird bis 17. Januar 2021 verlängert. Das hat Museumsleiter Andreas Gut bekanntgegeben. Erfreulicherweise haben die rund ein Dutzend Leihgeber der Ausstellung dem Wunsch des Museums zugestimmt, die siebenwöchige
Schließzeit und den derzeitigen Neustart unter erschwerten Bedingungen auf diese Weise auszugleichen. Auch der Förderverein Alamannenmuseum Ellwangen unter dem Vorsitz von Werner Kowarsch, der die Ausstellung maßgeblich fördert, begrüßt die Verlängerung. Beim Begleitprogramm konnten inzwischen für die meisten Angebote Nachholtermine festgelegt werden und auch die Begleitpublikation erscheint in den nächsten Tagen.

Im Mittelpunkt der Sonderausstellung zur Kleidung der Alamannen stehen neue Erkenntnisse der Textilarchäologie. Wolle und Leinen waren die hauptsächlich zur Verfügung stehenden Materialien. Anhand von archäologischen Funden werden die einzelnen Schritte vom Schaf zum fertigen Mantel nachvollziehbar. Doch die Herstellung von Leinenstoffen war noch viel aufwendiger.

Im Gebiet der Alamannen haben sich Textilien durch die Zeit nur sehr schlecht erhalten. Deshalb zeigt die Ausstellung an Repliken ausgewählter Beispiele, wie die Kleidung ausgesehen haben könnte. Etwas Besonderes stellt dabei die Installation der Grablege einer vornehmen Dame aus Lauchheim dar: Sie zeigt, in welcher Kleidung und mit welchen Textilbeigaben die Tote bestattet wurde.

Die Ausstellung zeigt auch den Arbeitsaufwand, der mit der Herstellung eines einzigen Kleidungsstückes verbunden ist. Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit sind also keine Erfindung unserer Zeit.

Ich habe nichts anzuziehen! Gemeint ist damit aber nicht, dass man nun in die Not käme, nackt herumlaufen zu müssen. Sondern das genaue Gegenteil ist der Fall: die Auswahl an Kleidung, die im Schrank hängt, ist so groß, dass einem die Auswahl schwerfällt. Und wenn man trotzdem nicht weiterweiß, kann man sich immer noch über das Internet ein neues Outfit bestellen und bekommt es auch noch
schnellstens ins Haus geliefert.

Ganz anders sah es da zu Zeiten der Alamannen aus. Zum einen gab da weder Schränke noch Internet. Zum anderen war die Anzahl der Kleidungsstücke, aus denen man wählen konnte, doch recht überschaubar. Gar mancher war tatsächlich froh, wenn er nicht nackt laufen musste.

Seit der Mensch begonnen hat, Kleidung zu tragen, spielt nicht nur die Schutzfunktion eine wichtige Rolle, sondern sehr schnell kam auch der ästhetische Aspekt hinzu. Aber erst mit der Herstellung von Garn aus einzelnen Fasern und deren Weiterverarbeitung zu Textilien besteht die Möglichkeit, das Aussehen selbst zu bestimmen. Seit dieser Zeit haben sich die einzelnen Arbeitsschritte nicht wesentlich verändert. Nur übernehmen heute Maschinen, was Jahrtausende lang mühevolle Handarbeit war. Erst durch die
Industrialisierung der Textilproduktion ist die für uns heute selbstverständliche große Auswahl an Kleidungsstücken möglich geworden.

Anfang Juni erscheint die 64-seitige Begleitpublikation zur Ausstellung mit Texten des Ausstellungskurators Jürgen Heinritz und Beiträgen des Museumsleiters Andreas Gut, der Textilarchäologin Christina Peek, der Weberin Mina Kaiser und der Lehrstuhlinhaberin für Modedesign mit dem Schwerpunkt Strick- und innovatives Produktdesign am Fachbereich Textil- und Bekleidungstechnik der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach, Ellen Bendt. Das Buch bildet den vierten Band der Reihe Schriften des Alamannenmuseums Ellwangen und kostet 7,90 Euro.

In Kooperation mit der Initiative Fairtrade-Town Ellwangen startete mit der Wiederöffnung des Alamannenmuseums am 6. Mai am Museumseingang auch die Posterausstellung "Ich mache deine Kleidung! Die starken Frauen aus Süd Ost Asien" des Vereins FEMNET e.V. in Bonn als Zusatzausstellung zur Sonderausstellung "Gut betucht", die ursprünglich am 22. April mit einem Vortrag eröffnet werden
sollte. Sie ist wie die gesamte Sonderausstellung nun bis zum 17. Januar zu sehen, der Vortrag wird am 8. Juli nachgeholt.

Die Posterausstellung zeigt in neun Stationen Portraits von Textilarbeiterinnen aus Kambodscha und Bangladesch. Sie bietet Informationen über die Rolle von Frauen, ihren Arbeitsbedingungen und -rechten in Asien und gibt den porträtierten Frauen aus dem Süden eine Stimme im Kampf um bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen. Behandelt werden die Themen Diskriminierung von Frauen, Doppelbelastung der Frau, Kinderarbeit, Arbeitsbedingungen im informellen Sektor und in der Heimarbeit, endlose Arbeitszeiten, Schuften für Hungerlöhne, Arbeitssicherheit, Gewerkschaftskampf, sowie Informationen zu den Ländern Bangladesch und Kambodscha. Den Abschluss bilden Verbrauchertipps unter der Überschrift "Engagiere Dich".

Die Ausstellung wurde ursprünglich von der niederländischen Kampagne für Saubere Kleidung unter dem Titel "Who runs the World? Girls!" erstellt und wird seit 2014 als Wander- und Posterausstellung des in Bonn ansässigen Vereins FEMNET e.V. – feministische Perspektiven auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Deutschland und in der Schweiz eingesetzt. Porträtiert wurden die Frauen in ihren Heimatstädten Ende 2013 von der niederländischen Fotografin Marieke van der Velden. Im Alamannenmuseum ist sie in
Kooperation mit der Initiative Fairtrade-Town Ellwangen zu sehen.

Aufgrund der privaten Initiative einer Ellwanger Familie entstand vor einiger Zeit die Broschüre "Etwas Tun: Kleine Schritte, um die Welt etwas besser zu machen" mit nützlichen Verbrauchertipps zum Thema Nachhaltigkeit und "faire Kleidung". Diese ist im Rahmen der Sonderausstellung "Gut betucht" ab sofort auch im Alamannenmuseum kostenlos erhältlich.



 www.alamannenmuseum-ellwangen.de
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