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Pressemitteilung

Nr. 502 vom 25.10.2021

Plötzlich Symptome - Harmlose Erkältung oder schwerer Infekt? Infektionskrankheiten erkennen, behandeln und verstehen.

Die diesjährige öffentliche Gesundheitskonferenz des Ostalbkreises im Aalener Landratsamt am 20. Oktober 2021 informierte rund 70 Bürgerinnen und Bürger über die Historie zentraler Infektionskrankheiten von der Kindheit bis ins hohe Alter und ging den Fragen nach, wann es ratsam ist, einen Arzt aufzusuchen und wie und wann man sich gut selbst zu Hause behandeln kann. Auch wurde darüber berichtet, wie unsere innere Widerstandskraft zur Überwindung von Krankheiten beiträgt und wie mit (Infektions-)Krankheiten - auch psychisch - gut umgegangen werden kann.

Infektionskrankheiten begleiten die Menschheit schon seit Beginn an. Sie stellen die häufigste Todesursache weltweit dar, können viele verschiedene Ursachen haben und zu ganz unterschiedlichen Beschwerden führen. Anstecken kann man sich dabei auf verschiedensten Wegen, sei es auf dem Weg zu Arbeit in der Bahn, auf öffentlichen Toiletten oder auch beim Verzehr von rohem Fleisch. Erreger wie Viren und Bakterien finden sich demnach überall. Die Liste der bekannten Infektionskrankheiten ist lang. Einige davon hat vielleicht jeder bereits in der Kindheit gehabt, wie etwa Windpocken oder Scharlach. Mit Erkältungen und Grippe – typischen Virusinfektionen – schlagen sich die meisten Menschen sogar mehrmals im Jahr herum.

Bereits bei der Begrüßung wies Landrat Dr. Joachim Bläse auf die Unsicherheiten der Bürgerinnen und Bürger im Umgang mit Infektionskrankheiten sowie auf einige offene Fragen in Bezug auf die Behandlung und das Erkennen von Infektionskrankheiten hin.

Dr. Georg Härter, Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie im Medicover MVZ in Ulm, ging gleich zu Beginn seines Vortrags auf die drei großen Pandemien der Geschichte - Tuberkulose, Malaria und HIV/Aids - ein. Dies seien im Vergleich zu anderen Infektionen die drei Infektionskrankheiten, die die Welt, trotz enormer Fortschritte in der Medizin in den letzten Jahren, noch nicht in den Griff bekommen habe. Als Erfolgsgeschichte der Medizin bezeichnete Dr. Härter Impfungen. Damit konnten etwa die Pocken "eliminiert" und andere Krankheiten stark in den Hintergrund gerückt werden. Neben der anschaulichen Darstellung weiterer wichtiger Infektionskrankheiten wie FSME oder auch COVID-19 berichtete Dr. Härter über die Bedeutung der Klimaerwärmung in Bezug auf Infektionskrankheiten und das vielschichtige Problem der multiresistenten Erreger. Auch schilderte er ganz nüchtern die Tatsache, dass etwa alle 20 bis 40 Jahre Pandemien weltweit auftreten, das sei eine Art "Naturgesetz". Wichtig sei es daher, den Umgang damit zu lernen.

Dr. Thilo Heising, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin in Aalen-Wasseralfingen, führte anhand von vier Leitfragen durch seinen Vortrag und stellte sehr anschaulich und niedrigschwellig praktische und alltagstaugliche Hilfen dar, damit Eltern wissen, wie sie sich bei einer akuten Erkrankung ihres Kindes selber helfen können, wann medizinische Hilfe bei Kindern erforderlich ist, wie schnell medizinische Hilfe nötig ist und wo man diese bekommen kann. Der Referent machte deutlich: "Wichtig ist, keine Angst vor Fieber zu haben. Dies ist eine normale Reaktion des Körpers und Teil der Infektabwehr." Er betonte, dass alle Hilfen und Maßnahmen nach Maßgabe des Kindes zum Einsatz kommen sollten.

Abschließend referierte Dr. Michael Fritzsch, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Facharzt für Innere Medizin und Chefarzt an der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin im Ostalb-Klinikum in Aalen, über Resilienz, die innere Widerstandskraft, um gestärkt aus Krisen hervorzugehen. Nach einer kurzen Darstellung der Abläufe im Gehirn bei einschneidenden emotionalen Veränderungen im Leben folgte der deutliche Hinweis, dass das Überstehen einer "Krise" von mehreren (Resilienz-)Faktoren abhängig sei. „Ein ganz wichtiger Resilienzfaktor ist der Kontakt zu anderen Menschen“, weshalb die Umgebung und die Vertrauten nach der Entlassung oder nach der Überwindung einer Krankheit, da meist erst danach Ängste und Depressionen auftreten, eine zentrale Rolle spielen. Als weitere Faktoren nannte Dr. Fritzsch unter anderem den Sinnzusammenhang, Selbstwirksamkeitserleben mit Handlungsorientierung, vorherige Kraftquellen, an die angeknüpft werden kann, sowie inwieweit Einfluss auf die gegebene Situation genommen werden kann.

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion mit den Referenten kamen aus dem Publikum zahlreiche Fragen, die einen weiten Bogen über den Umgang mit Infektionskrankheiten in Kindergärten, Bestrebungen bezüglich Antibiotikaresistenzen, Auswirkungen von sozialer Isolation auf die Psyche und Hilfen bei Quarantäne spannten.

Die nächste Kommunale Gesundheitskonferenz im Ostalbkreis findet am 27. Oktober 2022 statt.

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Beantworteten Fragen aus dem Publikum: (v. l. n. r.) Landrat Dr. Joachim Bläse, Dr. Georg Härter, Dr. Thilo Heising und Dr. Michael Fritzsch
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