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Pressemitteilung

Nr. 395 vom 24.09.2020

Im Wald erfolgreich sein

Was passiert, wenn Kinder, die vor Armut und Elend nach Deutschland geflüchtet sind, drei Nachmittage im Wald verbringen? Um das herauszufinden, trafen sich zehn Schülerinnen und Schüler der Heckentalschule Heidenheim in der letzten Woche der Sommerferien im Wald mit dem WaldMobil Ostalb/Schwäbischer Wald und mit der Waldpädagogin Tina Günther.

Der Anfang war von einem vorsichtigen Herantasten geprägt. Aber schnell verloren die Kinder aus Syrien, Rumänien, Bosnien, Ungarn, Griechenland und dem Irak bei verschiedenen spielerischen Aktionen und der Bewegung im Wald die Scheu vor der Natur. Für die Waldpädagogin waren die mangelnden bis fehlenden Sprachkenntnisse eine große Herausforderung. "Das funktioniert hauptsächlich mit Händen und Füßen", beschreibt Tina Günther lachend, "das Schöne ist, dass der Wald ja selbst zum Ausprobieren anregt."

Am zweiten Tag wurde in der Waldwerkstatt geschnitzt, dass die Späne nur so flogen. Auch hier konnten sich die Kinder ohne Deutschkenntnisse die Techniken bei Frau Günther einfach abschauen.

Highlight war am letzten Tag dann Rosalie, der zahme Waldkauz von Frau Günther. Respektvoller und verantwortungsbewusster Umgang mit dem lebenden Greifvogel gehörte dabei genauso zu den Lernerfahrungen der Schülerinnen und Schüler wie der Respekt untereinander.

Die Waldaktionen sind Teil des Projektes „mogly“ der Aktion Jugendberufshilfe im Ostalbkreis (AJO e.V.). Das Projekt unterstützt und begleitet Kinder und Jugendliche bei der Integration in unsere Gesellschaft und setzt dabei vor allem auf Bildung als probates Mittel, um Armut zu verhindern. Das „Lernen im Wald“ ist ein Baustein von mogly, der in Kooperation mit der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald e. V. und dem Geschäftsbereich Wald und Forstwirtschaft im Landratsamt Ostalbkreis umgesetzt wird. Mogly setzt die Landesstrategie "Starke Kinder – chancenreich" in der Region Ostwürttemberg und Stuttgart um und wird gefördert vom Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds.

"Man kann sich das hier in Deutschland kaum vorstellen", berichtet Petra Walter, Vorstand der AJO e.V., von ihren Eindrücken im Wald, "aber von den zehn Kindern war noch keines jemals in einem Wald".

Warum die Kinder also ausgerechnet in den Wald schicken? Gibt es für sie in einem fremden Land, ohne Sprachkenntnisse nicht Herausforderungen genug zu meistern? "Wir sind der Meinung, dass der Wald eine Chance für die Kinder und Jugendlichen bietet", erklärt Wolf Noack, vom Netzwerk Waldpädagogik Ostalb. "Die Umgebung ist vielleicht zunächst fremd, aber die positiven Wirkungen des Waldes entfalten sich durch die unmittelbare Begegnung mit der Natur auch bei den "Waldneulingen". Zudem bietet der Wald ein breites Übungsfeld für praktische Erfahrungen und kreatives Gestalten. Nicht zu unterschätzen ist die Möglichkeit für die Kinder im Wald "erfolgreich sein" was ihnen im gesellschaftlichen Wettbewerb oft verwehrt bleibt."

Weitere Walderlebnisse dieser Art werden in diesem und im nächsten Jahr in Aalen, Schwäbisch Gmünd und Stuttgart stattfinden.

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Kontakt

Landratsamt Ostalbkreis

Pressestelle
Susanne Dietterle

Stuttgarter Straße 41
73430 Aalen

Telefon 07361 503-1312
Telefax 07361 50358-1312