Pressemitteilung

Nr. 278 vom 24.06.2020

Internationaler Tag des Drogenmissbrauchs – jährlich am 26. Juni - Suchthilfe rettet Leben – in Krisenzeiten wichtiger denn je

Anlässlich des Internationalen Tags gegen Drogenmissbrauch macht die Suchtbeauftragte des Ostalbkreises auf die existenziell wichtige Arbeit der Sucht- und Drogenhilfe im Ostalbkreis aufmerksam. Menschen mit einer Suchtproblematik, egal ob es sich um Alkohol, illegale Drogen, Medikamente oder Glücksspiel handelt, sind in Krisenzeiten besonders gefährdet. Im Sprachgebrauch der Corona-Pandemie heißt das: Hochrisikogruppe aufgrund einer Vorerkrankung. Für Menschen mit einer Suchterkrankung ist eine Infektion mit dem Corona-Virus lebensgefährlich. Schwerwiegend sind krisenbedingte Rückfälle, die kontrolliertes Verhalten nahezu unmöglich machen und damit nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch ihr Umfeld gefährden.

Die Sucht- und Drogenhilfe beugt physischen, psychischen und sozialen Gefährdungen vor, sie begleitet, berät und behandelt Betroffene und Angehörige, und ist daher systemrelevant.

Sucht ist ein bio-psycho-soziales Krankheitsbild und greift deshalb in alle Lebensbereiche eines Menschen ein. Abhängigkeitskranke Menschen sind oft aufgrund ihrer prekären physischen, psychischen und sozialen Situation nicht in der Lage die notwenigen Hygieneschutzmaßnahmen umzusetzen. Darin liegt eine Gefahr, Infektionsketten auszulösen. Der Corona bedingte Lockdown mit der Kontaktsperre war und ist für Menschen mit Suchtproblemen eine extrem große Belastung. Einsamkeit, die Angst vor einer Corona-Infektion und Existenzängste führt zu Rückfällen. Dies ist eine enorm riskante Lebenssituation in dieser Zeit der Pandemie für drogenkonsumierende Menschen und deren Umfeld. Die Suchthilfe ist da für viele ein "Rettungsanker". "Deshalb sind wir sehr froh, dass wir die Suchtberatungsstellen als Krisenanlaufstellen weitgehend aufrechterhalten konnten", so die Suchtbeauftrage des Landkreises. Die steigenden Zahlen von Menschen, die sich zurzeit in Suchtberatungsstellen melden, bestätigt diese Annahme. Für die Suchthilfe bedeutet dies ein Kraftakt in jeder Hinsicht – personell, logistisch, finanziell und letztlich auch menschlich.

Die Suchthilfe mit den Arbeitsfeldern Beratung, Kontaktladen, ambulante Suchttherapie, stationäre Entgiftung und Motivationsbehandlung, betreutes Wohnen, Begleitung der Substitution, Beratung für Angehörige und Arbeit mit Kindern suchtkranker Eltern steht nicht nur in Krisenzeiten parat, sondern sorgt auch dauerhaft für berufliche und soziale Teilhabe. Allerdings muss in einer Krise dieser Größenordnung auch längerfristig mit massiven somatischen, psychischen und sozialen Auswirkungen gerechnet werden. Konsumverhalten verändert sich und neue Bedarfe entwickeln sich. Die Suchtberatungsstellen der Caritas Ost-Württemberg, des Kreisdiakonieverbandes Ostalbkreis und der Sozialberatung e.V. zeigen sich besorgt. „Die Suchthilfe arbeitet mit den zur Verfügung stehenden Mitteln jetzt schon über dem Limit. Wir werden auf allen Ebenen dafür kämpfen, dass wir diese gefährdete und behandlungsbedürftige Personengruppe weiterhin angemessen beraten, begleiten und behandeln können.“

Auch die Selbsthilfegruppen tun ihr Bestes, um sich gegenseitig zu stützen und Isolation zu überwinden. Das ist nicht leicht. Ein Telefonat oder eine Skype-Schalte mildern zwar den Leidensdruck, ersetzen aber nicht die persönliche Begegnung in der Gruppe. Von zuneh-menden Rückfällen kann leider auch die Selbsthilfe berichten.

Große Sorgen machen sich die Fachkräfte auch um die Kinder, die in suchtbelasteten Familien leben. Die ohnehin belastete Lebenssituation der Kinder verschärft sich durch die Isolation erheblich bis hin zu traumatischen Situationen. „Überall wo es möglich ist, versuchen die Mitarbeiter der Suchtberatungsstellen den Kontakt zu halten. Das Kindeswohl liegt uns allen sehr am Herzen“, fasst die Suchtbeauftragte des Landkreises die Lage zusammen.

Die Pandemie ist wie ein Brennglas, unter dem die gesellschaftlich wichtigen Aufgaben, die sonst fast im Verborgenen wirken, deutlich hervortreten. Die Sucht- und Drogenhilfe gehört dazu.


Hintergrundinformationen:

Die qualifizierte Suchtkrankenhilfe und –prävention hat im Ostalbkreis lange Tradition ist geprägt von einer engen Kooperation zwischen den freien Trägern der Suchthilfe und der kommunalen Suchtbeauftragten des Landkreises.

Die Suchtberatungsstellen betreuen gemeinsam jährlich rund 2.450 Menschen mit Suchtproblemen und deren Angehörige. Beratung, Begleitung und ambulante Therapie finden sich im Ostalbkreis bei allen Trägern. Als besondere Schwerpunkte finden sich bei der Caritas die Themen "Kinder aus suchtbelasteten Familien", Essstörungen und die ambulante Reha bei Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit. Bei der Diakonie liegt der zusätzliche Schwerpunkt auf den Themen „Sucht im Alter“ und Glücksspiel. Die Sozialberatung hat zusätzlich den Kontaktladen als niederschwelliges Angebot für Drogengebrauchende und bietet die Möglichkeit zur ambulanten Reha bei einer Abhängigkeit von Illegalen Drogen.

Im Haus der Gesundheit des Klinikums Schloss Winnenden werden Patienten mit Problemen mit Alkohol, Medikamenten, illegalen Drogen (ausgenommen Opiate) und Spielsucht behandelt. In der Tagesklinik kann eine qualifiziert Entzugs- und Motivationsbehandlung durchgeführt werden.


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