Pressemitteilung

Nr. 255 vom 29.05.2020

E-Zigarette – eine vermeintlich harmlose Alternative - Informationen der Suchtbeauftragten des Ostalbkreises zum Weltnichtrauchertag am 31. Mai

Seit einiger Zeit erfährt die elektrische Zigarette (E-Zigarette) in Deutschland eine zunehmende Aufmerksamkeit und Verbreitung. E-Zigaretten bestehen aus einem Mundstück, einem Akku, einem elektrischen Vernebler und einer Wechsel-Kartusche, in der sich eine Flüssigkeit ("Liquid") befindet. Das Liquid wird beim Ziehen am Mundstück vernebelt und als Aerosol (Dampf) inhaliert. Der Konsum von E-Zigaretten wird als "Dampfen" bezeichnet. Die Liquids der E-Zigaretten enthalten als Hauptbestandteile ein Vernebelungsmittel (Propylenglykol oder Glyzerin), Wasser, Ethanol, Nikotin und häufig verschiedene Aromastoffe. Liquids ohne Nikotin sind ebenfalls erhältlich.

Kurzfristig kann es nach dem Gebrauch von E-Zigaretten zu Atemwegsirritationen und eventuell auch zu Entzündungsreaktionen in den Bronchien kommen. Langfristige Schäden durch den Konsum von E-Zigaretten sind derzeit noch nicht ausreichend untersucht, da E-Zigaretten erst vor wenigen Jahren eingeführt wurden. Welche Folgen insbesondere regelmäßiges und langfristiges Inhalieren der Inhaltsstoffe des Dampfs hat, lässt sich deshalb aktuell kaum abschätzen.

Im Vergleich zum Konsum von Tabakzigaretten sind E-Zigaretten vermutlich insgesamt weniger gesundheitsschädlich. Gesundheitliche Risiken können jedoch insbesondere bei langfristigem Gebrauch nicht ausgeschlossen werden. Nichtraucherinnen und Nichtrauchern wird vom Konsum abgeraten!

Für stark abhängig Rauchende, die bereits mehrfach am Rauchstopp gescheitert sind, kann ein vollständiger Umstieg von der regulären Tabakzigarette auf eine E-Zigarette gesundheitliche Vorteile bringen. Dabei sollte jedoch bedacht werden, dass die Auswirkungen des E-Zigaretten-Konsums auf die Gesundheit vermutlich erst in einigen Jahren zuverlässig eingeschätzt werden können. Insbesondere Menschen mit Vorerkrankungen (vor allem an der Lunge) gehen vor diesem Hintergrund ein – derzeit unbekanntes – Gesundheitsrisiko ein. Weil bei einem Umstieg auf die E-Zigarette oft Verhaltensgewohnheiten des Rauchens beibehalten werden, greifen eine Reihe von Menschen nach einiger Zeit doch wieder zur Tabakzigarette.

Ein zusätzliches gesundheitliches Risiko birgt der 'dual use', die Nutzung von sowohl Tabakzigaretten als auch E-Zigaretten, da hier insgesamt mehr Giftstoffe aufgenommen werden. Sicherer – auch in gesundheitlicher Hinsicht – ist der Rauchstopp.

Untersuchungen haben gezeigt, dass im Aerosol krebserregende Substanzen (Kanzerogene) enthalten sein können. Die Konzentration dieser Substanzen wie etwa Formaldehyd und Acetaldehyd ist laut Deutschem Krebsforschungszentrum (DKFZ) unter anderem abhängig von der Batteriestärke, dem Nutzungsverhalten, dem Gerätetyp und dem gewählten Liquids. Das DKFZ weist darauf hin, dass die Schadstoffe im Aerosol „in der Regel in deutlich geringeren Mengen als im Tabakrauch“ vorkommen. Einzelne Substanzen könnten unter bestimmten Bedingungen jedoch auch ähnlich hohe oder sogar höhere Konzentrationen als im Tabakrauch erreichen.

Das in vielen Liquids enthaltene Nikotin macht zudem abhängig und könnte das Wachstum bestehender Tumoren, Herz-Kreislauferkrankungen und Typ-2-Diabetes fördern.

Es ist vorstellbar, dass bei einigen Menschen durch den Konsum von E-Zigaretten eine Nikotinabhängigkeit entsteht und somit das Risiko für einen Einstieg in das Rauchen regulärer (Tabak-) Zigaretten erhöht ist. Unklar ist auch, in welcher Zusammensetzung der von E-Zigaretten erzeugte Dampf von den Nutzern ausgeatmet wird und die Innenraumluft belastet und ob dadurch Gesundheitsrisiken entstehen.

Seit April 2016 unterliegen E-Zigaretten und Liquids auch in Deutschland einer in der Europäischen Union einheitlichen Regulierung. Die Richtlinien legen einheitliche Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen für nikotinhaltige E-Zigaretten fest. So darf die Konzentration des Nikotins in den Liquids maximal 20mg Nikotin pro ml betragen. Verbraucherinnen und Verbraucher müssen außerdem durch Hinweise auf der Verpackung über die genauen Inhaltsstoffe des Liquids aufgeklärt werden. E-Zigaretten und auch Nachfüllbehälter dürfen nur noch mit Beipackzetteln verkauft werden. Hinsichtlich der Werbebeschränkungen sind E-Zigaretten den Tabakerzeugnissen gleichgestellt worden. Weitere Regelungen sind im "Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie über Tabakerzeugnisse und verwandte Erzeugnisse" zu finden.

Produkte ohne Nikotin sind von den Bestimmungen der genannten Tabakrichtlinie dagegen nicht betroffen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist in einer Stellungnahme darauf hin, dass deswegen möglicherweise über die Richtlinie verbotene Zusätze bei nikotinfreien Liquids weiterhin verwendet werden könnten. Auch wenn der Schadstoffgehalt bei E-Zigaretten im Vergleich zu Tabakzigaretten geringer ist: Die Sicherheit und gesundheitliche Unbedenklichkeit der E-Zigarette ist nicht erwiesen.

Gesund ist nur, weder zu dampfen noch zu rauchen.

E-Zigaretten könnten durch süße Aromastoffe eine hohe Attraktivität auf Kinder und Jugendliche ausüben und somit möglicherweise ein Eintrittstor für das Tabakrauchen und eine Nikotinabhängigkeit darstellen. Eine von der BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) geförderte Studie konnte bereits zeigen, dass Jugendliche, die E-Zigaretten konsumieren, auch eher dazu neigen, mit dem Rauchen von Tabakzigaretten zu beginnen.

Eine Variante der E-Zigarette ist die sogenannte E-Shisha. Seit dem 1. April 2016 gilt das Abgabe- und Konsumverbot von Tabakwaren an Jugendliche (geregelt über das Jugendschutzgesetz sowie das Jugendarbeitsschutzgesetz) auch für E-Zigaretten und E-Shishas. Die Gesetzesänderung bezieht auch E-Inhalationsprodukte ein, die kein Nikotin enthalten.

Eignet sich die E-Zigarette zum Rauchstopp?
Die wissenschaftliche Datenlage zur Sicherheit und Wirksamkeit von E-Zigaretten bei der Tabakentwöhnung ist derzeit noch unzureichend. Die E-Zigarette wird daher nicht als Mittel zum Rauchstopp empfohlen.

Bei der Nutzung einer nikotinhaltigen E-Zigarette anstelle von Tabakzigaretten besteht die Gefahr, dass die körperliche Abhängigkeit aufrechterhalten wird. Außerdem werden vom Rauchen gewohnte Rituale und Gewohnheiten meist beibehalten. Eine erfolgreiche Tabakentwöhnung erfordert eine Veränderung von gewohnten Verhaltensweisen.

Bei Fragen zum Thema Rauchstopp können Sie sich jederzeit an die Suchtbeauftragte des Landkreises wenden: Landratsamt Ostalbkreis, Martina Marquardt, Tel. 07361 503-1293, E-Mail martina.marquardt@ostalbkreis.de

Qualitätsgesicherte Methoden zum Rauchstopp finden Sie auch in den Angeboten der BZgA, zum Beispiel dem kostenfreien rauchfrei-Ausstiegsprogramm https://www.bzga.de/ .

E-Zigarette – eine vermeintlich harmlose Alternative - Informationen der Suchtbeauftragten des Ostalbkreises zum Weltnichtrauchertag am 31. Mai
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