Pressemitteilung

Nr. 540 vom 07.10.2019

Neues Teilhabechancengesetz im Ostalbkreis - Langfristig Perspektiven schaffen

Über 50 Langzeitarbeitslose konnte das Jobcenter Ostalbkreis dank des Teilhabechancengesetzes bereits in ein Arbeitsverhältnis vermitteln. Als Anreiz für Arbeitgeber, die Arbeitsplätze für den Wiedereinstieg in den ersten Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen, stehen Lohnkostenzuschüsse zur Verfügung. Auch die Gemeinde Abtsgmünd gehört zum Kreis derer, die aktiv an der Umsetzung des Teilhabechancengesetzes mitwirken, und hat einen Bauhofmitarbeiter eingestellt.

Sie ist eines der großen Themen in Deutschland: die Langzeitarbeitslosigkeit. Im Ostalbkreis sind aktuell 1.366 Menschen langzeitarbeitslos. Davon sind 1.087 Menschen im Arbeitslosengeld II-Bezug und werden durch das Jobcenter Ostalbkreis betreut. Trotz bislang guter Arbeitsmarktlage gelingt es langzeitarbeitslosen Personen kaum, einen Arbeitsplatz auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu finden. Die Gründe sind u. a. fehlende Ausbildung oder mangelnde Bildung, Krankheiten, Schicksalsschläge, mangelnde Deutschkenntnisse, aber auch besondere familiäre Situationen, die Unterstützung erforderlich machen.

Um diese Menschen wieder auf dem ersten Arbeitsmarkt zu integrieren, braucht es die Unterstützung durch die Politik. Eines jedoch ganz besonders: Die Umsetzung in der Praxis durch die Verantwortlichen nach dem Prinzip des Förderns und Forderns.
Durch das neue Teilhabechancengesetz, das seit Januar 2019 in Kraft ist, können Langzeitarbeitslose verstärkt in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vermittelt werden. Ziel ist es, eine nachhaltige berufliche Eingliederung in das Arbeitsleben entsprechend der eigenen Fähigkeiten und Kenntnisse zu ermöglichen. Arbeitgeber erhalten Lohnkostenzuschüsse, wenn sie geeignete Arbeitsplätze für die Wiedereingliederung in den ersten Arbeitsmarkt bereitstellen. Während der Beschäftigung können Weiterbildungsmaßnahmen finanziell unterstützt werden. Lohnkostenzuschüsse können je nach Voraussetzung entweder zwei oder fünf Jahre gezahlt werden. Bei der zweijährigen Förderung werden im ersten Jahr 75 Prozent und im zweiten 50 Prozent übernommen, bei der fünfjährigen Förderung die ersten zwei Jahre 100 Prozent, danach wird der Zuschuss um jährlich 10 Prozentpunkte gesenkt.

Die Arbeitnehmer werden durch das Jobcenter weiterhin in Form eines Coachings betreut. Durch gezielte Arbeitgeberakquise des Jobcenters ist es möglich, die Bereitschaft bei Arbeitgebern zu erhöhen, langzeitarbeitslosen Leistungsberechtigten eine Chance auf eine Arbeitsstelle zu geben und somit neue Perspektiven und eine nachhaltige berufliche Eingliederung in das Arbeitsleben zu ermöglichen.

Es geht darum, Menschen dort abzuholen, wo sie derzeit stehen. Nicht jeder Arbeitsplatz eignet sich für jeden Bewerber und oft braucht es mehrere Anläufe und Probearbeitstage, um zu sehen, dass es für beide passt und ein Arbeitsverhältnis zustande kommt. Thomas Koch, Geschäftsführer des Jobcenter Ostalbkreis, berichtet: "Bereits mehr als 50 Langzeitarbeitslose haben eine Beschäftigung bei privaten und gewerblichen Arbeitgebern sowie bei Trägern von sozialen Einrichtungen aufgenommen. Ich hoffe, dass viele Arbeitgeber nach Ende der geförderten Beschäftigung ihre Mitarbeiter in ein reguläres Beschäftigungsverhältnis übernehmen können."

Die Bereitschaft zur Einstellung von Langzeitarbeitslosen ist groß, zahlreiche Arbeitgeber haben bereits ihre Zusage zur Einstellung von weiteren Bewerbern erteilt. Hinter der erfreulichen Anzahl von Vermittlungen stehen aber auch immer ganz besondere persönliche Erfolgsgeschichten:

So konnte z. B. Herr K. aus Ellwangen nach langjähriger Krankheit und umfassender Rehabilitationsphase seinen ursprünglich erlernten Beruf als Elektroniker nicht mehr ausführen. Dank des Teilhabechancengesetzes war es jetzt möglich, aufgrund seiner persönlichen Interessen und Erfahrungen im Gartenbereich eine Tätigkeit als Hausmeister und Pflege der Grünanlagen bei einem sozialen Träger zu finden. Er ist dort ebenfalls mit dem Winterdienst betraut und der Arbeitgeber "ist sehr zufrieden, so einen zuverlässigen und gewissenhaften Mitarbeiter gefunden zu haben, den auch alle Kollegen sehr gut in ihr Team integriert haben".

Ein weiterer Erfolg in der Vermittlung durch das Jobcenter ist, dass Frau O. aus Schwäbisch Gmünd für ein Jahr in einem Kindergarten eingestellt wird. Im Anschluss daran wird ihr die Möglichkeit in Aussicht gestellt, eine Ausbildung zur Kinderpflegerin zu absolvieren.

In Abtsgmünd hat Martin Albert aus Aalen nach langer gesundheitlicher Einschränkung eine Anstellung im Bauhof der Gemeinde erhalten und "ist froh, wieder eine feste Struktur und neue Aufgaben zu haben und vor allem Verantwortung übertragen zu bekommen". Er fühlt sich wohl im Team und ist von den Kollegen gut aufgenommen worden. Martin Albert arbeitet im Grünflächenbereich der Gemeinde und ist derzeit mit Mäh- und Freischneidearbeiten, teilweise auch auf einer Hebebühne, beschäftigt. Zukünftig will er noch weitere Tätigkeiten erlernen und arbeitet gemeinsam mit Bauhofleiter Schrem an neuen Einsatzmöglichkeiten, wie z. B. den anstehenden Schneeräumungsarbeiten oder Pflanzarbeiten in den Abtsgmünder Wildblumenwiesen. Bürgermeister Kiemel betont, "dass die Gemeinde Abtsgmünd mit der Beschäftigung von Herrn Albert einen aktiven Beitrag zur Umsetzung des Teilhabechancengesetzes leisten will."

Ein wichtiger Einsatzbereich von Martin Albert sind die Abtsgmünder Wildblumenwiesen (v. l.): Bürgermeister Armin Kiemel, Martin Albert, Bettina Hansch, Firmenkundenservice Jobcenter, Tobias Braitinger, Integrationsberater Jobcenter, Hauptamtsleiterin Jana Hirth und Bauhofleiter Wolfgang Schrem. (Bild: Gemeinde Abtsgmünd)
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