Pressemitteilung

Nr. 131 vom 07.03.2019

"Mut zur Stärke" - 20 Jahre Präventionsprojekt gegen sexualisierte Gewalt und sexuellen Missbrauch

Die Kontaktstelle gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen im Landratsamt Ostalbkreis arbeitet gemeinsam mit mehreren Kooperationspartnern seit 1999 daran, Kindern mit dem gleichnamigen Präventionsprojekt "Mut zur Stärke" zu vermitteln. Sozialdezernent Josef Rettenmaier und Projektleiter Dipl.-Sozialpädagoge (FH) Roland Predan informierten am Donnerstag, 7. März 2019 im Aalener Landratsamt über das Projekt und den Veranstaltungstag für Kinder im Grundschulalter, interessierte Eltern und für die Fachöffentlichkeit am 28. März 2019.

Bereits 1997 sei nach ersten konzeptionellen Überlegungen das Präventionskonzept „Mut zur Stärke“ als Kooperationsprojekt mit den Canisius-Beratungsstellen Schwäbisch Gmünd, dem Verein Frauen helfen Frauen Schwäbisch Gmünd, dem Jugend- und Kulturzentrum Ellwangen sowie freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern entwickelt worden, erläuterte Sozialdezernent Rettenmaier eingangs die Entstehungsgeschichte. 1998 sei das Projekt auf der Schulleiterkonferenz vorgestellt und die Schirmherrschaft von Landrat Klaus Pavel, dem Polizeipräsidenten und dem Leiter des Staatlichen Schulamts übernommen worden. Im Schuljahr 1999/2000 fanden dann erste Schulprojekte statt. Im Laufe der Jahre wurden mit dem Aufbau der Schulsozialarbeit auch Schulsozialarbeitende ins Projekt integriert.

"Im langjährigen Durchschnitt wird das Präventionsprojekt in 33 Schulen und 60 Schulklassen durchgeführt, sodass wir inzwischen rund 19.800 Kinder erreichen und sensibilisieren konnten", berichtete Roland Predan. Das Präventionsprojekt richtet sich gleichermaßen an Eltern, Lehrkräfte und Kinder und findet in der 3. bzw. vorwiegend 4. Grundschulklasse statt. Zwei besonders geschulte und erfahrene, gemischtgeschlechtliche Trainerinnen und Trainer leiten den Schülerworkshop, der mit den jeweiligen Lehrkräften vor- und nachbereitet wird. Zuvor muss verbindlich ein themenspezifischer Elternabend durch einen der Trainerinnen oder Trainer sowie der vorausgehende Aufklärungs- bzw. Sexualkundeunterricht laut schulischem Bildungsplan durch die Lehrkraft stattgefunden haben. Ein persönliches Arbeitsheft für jedes Kind begleitet das Projekt. Während des gesamten Projektverlaufs ist eine Lehrkraft anwesend. Am ersten Projekttag erhalten die Eltern ein themenspezifisches Elternheft zur Information und zur Auffrischung der Inhalte des Elternabends. "Unser Pool an Trainerinnen und Trainern wird laufend betreut und qualifiziert", betonte der Leiter des Präventionsprojektes, Roland Predan.

Der Workshop mit den Schülerinnen und Schülern selbst umfasst sieben Stunden und hat einen geschlechtsdifferenzierten Ansatz mit Jungen/Mädchen-Vormittag zum Auftakt. Die Kinder beschäftigen sich mit unterschiedlichen Ausdrucksformen, Rollenbildern, Bedürfnissen und Gefühlen. Eine respektvolle Sprache, eigene und die Grenzen anderer zu achten, Körperwahrnehmung und Selbstbehauptung werden eingeübt. Die kindgerechte Methode des interaktiven Puppentheaters eröffnet einen weiteren Zugang zum Thema. Ziel ist, die Kinder zu informieren, was bei einem sexuellen Übergriff oder Missbrauch passiert und wie sie sich wehren und bei Erwachsenen Hilfe holen können. In Rollenspielen werden denkbare Übergriffsituationen spielerisch aufgearbeitet. Kinder sollen handlungsfähig bleiben, aber auch erkennen, dass sie keine Schuld am sexuellen Missbrauch tragen.

Anlässlich 20 Jahre "Mut zur Stärke" veranstaltet die Kontaktstelle gegen sexuellen Missbrauch am 28. März 2019 einen Thementag im Aalener Landratsamt, der sich an die 3. und 4. Klassen der Projektschulen, an Elternbeiräte und interessierte Eltern, Lehrkräfte, Schulleitungen, alle weiteren interessierten Grundschulen und an die pädagogische Fachöffentlichkeit richtet. "Mit dem Präventionstheaterstück "Ganz schön blöd" der Fachberatungsstelle Zartbitter e. V. aus Köln, das an diesem Tag zwei Mal aufgeführt wird, wird das Thema sehr kindgerecht vermittelt", sagte Roland Predan. Das Präventionstheater für Mädchen und Jungen im Grundschulalter greift insbesonders auch sexuelle Gewalt in den Neuen Medien auf und setzt auf eine lebensnahe Aufklärung. Auch Erwachsene erfahren im Theaterstück und durch die Begleitmaterialien, wie sie darüber ohne Panikmache mit Kindern sprechen und diese damit stärken können. "Durch vielfältige und präventive Bemühungen und Maßnahmen ist und bleibt es das Ziel, dass unsere Schulen im Ostalbkreis sichere Räume für Kinder und Jugendliche sowie Kompetenzorte für den Kinderschutz sind", sind sich Sozialdezernent Rettenmaier und Sozialpädagoge Predan einig. An diesem Thementag sollen die Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter aller beteiligten Kooperationspartner gleichzeitig auch für ihr Engagement gewürdigt werden.

Am Thementag am 28. März 2019 findet folgendes Programm im Großen Sitzungssaal des Aalener Landratsamts statt:


  • 9:45 Uhr Saalöffnung

  • 10:00 Uhr Theateraufführung (für Projektschulen) "Ganz schön blöd", Zartbitter e. V. Köln (Dauer ca. 1,5 Stunden)

  • 13:00 Uhr Begrüßung Landrat Klaus Pavel

  • Grußworte Jörg Hofrichter, Leitender Schulamtsdirektor, SSA Göppingen und Roland Eisele, Polizeipräsident, Polizeipräsidium Aalen

  • Fachvortrag "Prävention Heute" Dip.-Psych. Astrid Hark-Thome, Leiterin der Kontaktstelle gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen, Landratsamt Ostalbkreis

  • Würdigung von Projektmitarbeiterinnen und -Mitarbeitern

  • Musikalische Umrahmung Deutschordensschule Lauchheim, Propsteischule Westhausen

  • 14:30 Uhr Kaffeepause Imbiss

  • 14:45 Uhr Saalöffnung

  • 15:00 Uhr Theateraufführung (offen für alle Grundschulkinder und Interessierte) "Ganz schön blöd", Zartbitter e. V. Köln (Dauer ca. 1,5 Stunden)


Für die Nachmittagsaufführung sind Eintrittskarten kostenlos erhältlich bei den Stadtbibliotheken in Aalen, Ellwangen und Schwäbisch Gmünd oder können per E-Mail angefordert werden unter erziehungsberatung@ostalbkreis.de . Für weitere Informationen zum Veranstaltungstag oder zum Präventionsprojekt selbst steht die Kontaktstelle gerne zur Verfügung.


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