Pressemitteilung

Nr. 638 vom 27.12.2018

Das Landwirtschaftsjahr 2018 - das Jahr des Sommers

Anlässlich des Kalten Marktes in Ellwangen blickt der Leiter des Geschäftsbereichs Landwirtschaft beim Landratsamt Ostalbkreis, Helmut Hessenauer, auf das Landwirtschaftsjahr zurück und hat die wichtigsten Ereignisse und Entwicklungen zusammengefasst.

2018 war für die Landwirtschaft wieder einmal ein besonderes Jahr - und dies nicht nur wegen der ausgeprägten Trockenheit. 2018 konnte die Landwirtschaft gleich mehrere Jubiläen feiern. Im Herbst fand nicht nur das 100. Landwirtschaftliche Hauptfest statt. Auch das Cannstatter Volksfest wird seit 200 Jahren, also seit 1818, gefeiert. Beides hängt eng zusammen. Denn das Volksfest wurde damals in Leben gerufen, um nach überstandenen Missernten, Hunger und Not ein Fest zu feiern. Verbunden war damit auch eine Leistungsschau der württembergischen Landwirtschaft und Tierzucht - eben das landwirtschaftliche Hauptfest, das diesen Grundgedanken bis heute fortführt.

König Wilhelm I. erkannte seinerzeit unmittelbar nach der Übernahme der Regierungsgeschäfte, dass nur durch eine Förderung der Landwirtschaft Hungersnöte und Versorgungskrisen verhindert werden können. Vorausgegangen waren Missernten und aus heutiger Sicht unvorstellbare Hungersnöte. 1815 war auf der indonesischen Insel Tambora ein Vulkan ausgebrochen - mit weitreichenden Folgen für das Weltklima. Es kam zu Umwälzungen in der Stratosphäre und das Jahr 1816 ging in Mitteleuropa als das "Jahr ohne Sommer" in die Geschichte ein. Weitere Missernten folgten. Für den jungen Herrscher war klar, dass es dringend Produktivitätsfortschritte in der Landwirtschaft bedurfte. Doch nicht nur das Volksfest und die Landwirtschaftsausstellung gehen darauf zurück. Auch die Universität Hohenheim konnte 2018 ihr 200-jähriges Bestehen begehen. Sie wurde im Jahr 1818 als landwirtschaftliche Unterrichts-, Versuchs- und Musteranstalt Hohenheim gegründet.

Doch zurück ins Jahr 2018. Zwar verbietet sich ein Vergleich mit den Extremjahren zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Dennoch war der Witterungsverlauf 2018 ein ganz besonderer. Der Winter war mild und im Januar regnete es viel. Danach begann eine lang anhaltende Trockenheit. Ab Mitte April bewegten sich die Temperaturen bis weit in den Oktober auf sommerlichem Niveau. Verbunden war dies mit einem ausgeprägten Niederschlagsdefizit. Nimmt man die Monate Januar bis November, fehlen hier auf der Ostalb rund 150 mm Niederschläge gegenüber dem langjährigen Mittel. Dabei hatte es im Januar allein rund 140 mm geregnet - rund 70 mm mehr als üblich. Außer in den Monaten März und Februar waren alle Monate wärmer als im Durchschnitt mit der Spitze im April, der fast sechs Grad Celsius zu warm war.

Das warme Frühjahr förderte zunächst das Pflanzenwachstum. Im Gegensatz zu anderen Regionen in Deutschland führten lang anhaltende, zu Gewitter neigende Wetterlagen auf der Ostalb immer wieder zu Niederschlägen, die aber ungleich verteilt waren. In der Summe reichten die Niederschläge bis Ende Juli aus. Zwar war die Ernte früher als sonst, doch die Getreideerträge waren trotz der Trockenheit befriedigend. Auch der Silomais wuchs sehr schnell und musste dann deutlich früher als sonst geerntet werden. Dramatisch wurde die Situation im August für das Grünland. Die Niederschläge blieben weiter aus und das Wachstum der Gräser kam vollständig zum Erliegen. Im Vergleich zu Normaljahren kam es daher auf dem Grünland zu Mindererträgen zwischen 30 und 50 Prozent. Glücklicherweise waren auf den Betrieben noch Grundfutterbestände aus dem Vorjahr vorhanden. Trotzdem mussten die Futterbaubetriebe sich der schwierigen Futterversorgung durch Zukäufe oder verstärktes Verfüttern von Stroh anpassen. Darunter leidet die Wirtschaftlichkeit. Und dennoch heißt es für die Landwirtschaft auf der Ostalb: Noch einmal davon gekommen. Dies gilt vor allem dann, wenn man nach Nord- und Ostdeutschland blickt, wo die Ertragsausfälle deutlich größer waren.

Sind solche außergewöhnlichen Jahre wie 2018 ein Zeichen für den Klimawandel oder handelt es sich schlicht um Ausprägungen bestimmter Wetterlagen? Ausgesprochene Trockenjahre waren die Jahre 1976, 2003 und 2018. Auch das Jahr 2015 war bereits ein sehr trockenes Jahr. Man könnte den Eindruck bekommen, dass die Abstände kürzer werden. Letztlich macht es aber keinen Sinn, den Klimawandel an einem Jahr festzumachen. Alle langfristigen Wetteraufzeichnungen zeigen zwischenzeitlich einen Anstieg der mittleren Jahrestemperaturen und die Landwirte merken dies an der immer früheren Ernte. Die meisten Experten erwarten zukünftig mehr und stärker ausgeprägte Extremwetterereignisse. Eine Prognose, die zumindest gefühlt, einleuchtet. Es sei hier nur an das Starkregenereignis im Mai 2016 erinnert.

Doch wie kann sich die Landwirtschaft an den Klimawandel anpassen? Vorschläge, wie den Anbau von Früchten mit subtropischem Ursprung machen wenig Sinn, denn sie lassen sich in unseren Breiten auch bei höheren Temperaturen nicht nachhaltig anbauen. Im Grunde sind die Strategien bekannt. So verringert eine vielfältige Fruchtfolge, in der auch Kulturen vorkommen, die die Bodenstruktur verbessern, das Risiko von wetterbedingten Ertragsausfällen. Auffällig war, dass Luzerne, eine tiefwurzelnde Futterpflanze, in 2018 am längsten durchgehalten hat. Eine echte Alternative zur wichtigsten Futterpflanze, dem Mais, ist sie aber nicht. Die Bodenbearbeitung ist darauf auszurichten, dass der Pflanze möglichst viel Wurzelraum zur Verfügung steht und gleichzeitig wenig Wasser unproduktiv verdunstet. Auch die Pflanzenzüchtung kann einen Beitrag dazu leisten, indem Eigenschaften wie Toleranzen gegen zeitweisen Wassermangel, Hitze und die natürliche Sonneneinstrahlung stärker berücksichtigt werden. Allerdings ist der Weg mit den klassischen Methoden der Pflanzenzüchtung lang und aufwändig.

Bei den Ursachen für den Klimawandel wird auch die Landbewirtschaftung genannt. Tatsächlich ist die Landwirtschaft in Deutschland mit rund acht Prozent am Ausstoß von Treibhausgasen beteiligt. An vorderster Stelle steht Lachgas, das im Boden beim Umsatz von stickstoffhaltigen Verbindungen entsteht und das besonders klimaschädlich ist. Danach kommen schon die Methanemissionen vor allem durch Wiederkäuer. Alle anderen Emissionsquellen spielen eine untergeordnete Rolle. Die Emissionen an Treibhausgasen aus der Landwirtschaft sind wie auch die der anderen Treibhausgase rückläufig, wenn auch in unterschiedlichem Maße. In der Regel sind sie prozessbedingt und lassen sich daher nicht verhindern, allenfalls einschränken.

Die Land- und Forstwirtschaft ist jedoch nicht nur Emittent, sondern sie trägt im Gegensatz zu den anderen großen Emittenten, den Energieversorgern, auch zum Klimaschutz bei. Pflanzen nehmen bei ihrem Wachstum Kohlenstoffdioxid auf und entlasten somit die Atmosphäre. Auch beim Aufbau von Humus wird Kohlendioxid im Boden gespeichert. Zudem erzeugt die Landwirtschaft nachwachsende Rohstoffe, die einen Ersatz für erdölbasierte Produkte darstellen können. Auch die Erzeugung von Strom aus Biogas ist beträchtlich. In 2017 stammten rund acht Prozent des Stromes aus Biomasse. Selbst unter Berücksichtigung der in der Produktion von Bioenergie anfallenden Emissionen werden dadurch jährlich 15 Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart. Die Einsparungen fallen dann am größten aus, wenn Reststoffe, wie beispielsweise Mist oder Dünger vergärt werden. Wegen der Gestaltung der Vergütungssätze werden derzeit nur noch Biogasanlagen gebaut, die überwiegend mit Reststoffen betrieben werden.

2014 hatte die Bundesregierung ein Aktionsprogramm zum Klimaschutz beschlossen. Das darin festgelegte Ziel, die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2020 gegenüber 1990 um 40 Prozent zu reduzieren, wird wohl nicht erreicht. Es besteht aber Konsens darüber, dass die Bemühungen um den Klimaschutz intensiviert werden müssen. Die Landwirtschaft wird hier ihren Teil dazu beitragen. Wichtig ist aber die Erkenntnis, dass alle, auch diejenigen, die nicht unmittelbar an der Emission von Treibhausgasen beteiligt sind, beispielsweise durch ihr Konsumverhalten darauf Einfluss nehmen können. Im Agrar- und Ernährungsbereich landen elf Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll. Zwei Drittel davon könnten vermieden werden. Auch der Kauf regionaler und saisonaler Lebensmittel entlastet die Umwelt, weil die Transportwege wegfallen. Beim Klimaschutz gibt es nicht Opfer und Täter. Letztlich sind wir alle beides. Und wir sind aufgerufen, alle unseren Beitrag zu leisten. Betätigungsfelder lassen sich bei der Betrachtung unseres Lebensstiles leicht finden.

Die Folgen des Klimawandels sind auch Teil der agrarpolitischen Diskussion. Gegenwärtig werden die Regeln für die EU-Ausgleichsleistungen für die Jahre ab 2020 auf verschiedenen Ebenen diskutiert. Dabei wird der Klimaschutz bei den neuen Förderprogrammen eine größere Rolle als seither spielen. Denkbar ist die verstärkte Förderung von klimaschützenden Produktionsmethoden. Doch auch für die Vorsorge vor witterungsbedingten Einkommensverlusten gibt es Überlegungen. Bereits jetzt besteht die Möglichkeit, sogenannte Mehrgefahrenversicherungen mit EU-Mitteln zu fördern. Solche Versicherungen decken unterschiedliche Witterungsrisiken wie Sturm, Frost oder Trockenheit ab. Vor allem in den südlichen Ländern gibt es solche Versicherungen. Dort sind die Witterungsrisiken grundsätzlich größer. Mehrgefahrenversicherungen sind wegen der hohen Schäden im Versicherungsfall teuer. Der einzelne Betrieb ist damit häufig überfordert. Sie werden nur dann abgeschlossen, wenn die Beiträge gefördert werden. Grundsätzlich ist eine solche Förderung mit EU-Mitteln möglich. Deutschland hat von dieser Möglichkeit bisher keinen Gebrauch gemacht. Derzeit findet allerdings ein Umdenken statt. Mehrere Bundesländer, darunter auch Baden-Württemberg, sprechen sich dafür aus, zukünftig Mehrgefahrenversicherungen mit EU-Mitteln zu bezuschussen. Ob es dazu kommt, ist derzeit noch ungewiss. Die dafür notwendigen Mittel fehlen dann an anderer Stelle.

Unabhängig davon müssen sich die Betriebe auch auf der Ostalb darauf einstellen, mehr als bisher vorzusorgen. Letztlich bedeutet dies, dass jeder Betrieb in guten Jahren Rücklagen bilden muss. Doch auch dies ist nicht grundsätzlich neu, wird aber bei den erwarteten starken Ertragsschwankungen wichtiger. Helfen könnte dabei eine Risikorücklage bei der Einkommensteuer, die seit Jahren vom Berufsstand gefordert wird.

Doch zunächst hoffen alle Landwirte auf ein Normaljahr 2019. Es wäre wichtig, dass die Wasservorräte im Boden über den Winter vollständig aufgefüllt werden. Normalerweise ist dies immer der Fall. Allerdings waren die Böden eingangs des Winters extrem trocken. Die Niederschläge im Dezember und vor allem vor Weihnachten waren ein guter Anfang und für viele Landwirte ein vorweggenommenes Weihnachtgeschenk.

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Das Landwirtschaftsjahr 2018 - das Jahr des Sommers (Foto: fotolia / Sauerlandpics)
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