Pressemitteilung

Nr. 74 vom 12.02.2018

Systemische Mobbingintervention - Netzwerk gegen "Mobbing" wurde im Ostalbkreis ausgebaut

Die Koordinationsstelle Prävention des Ostalbkreises veranstaltete am 25. Januar 2018 einen Fachtag zur systemischen Mobbingintervention im Aalener Landratsamt. Gemeinsam mit dem Büro Konflikt-KULTUR bot der Fachtag einen Einblick in die Dynamik von Mobbing-Fallstricken, die häufig zu einer Eskalation beitragen und zeigte konkrete Schritte einer erfolgreichen systemischen Intervention und ihrer Nachhaltigkeit auf.

"Mobbing, das systematisch wiederholte Schikanieren von Einzelnen, tritt vor allem in Zwangsgemeinschaften auf, aus denen Kinder und Jugendliche nicht so einfach "fliehen" können, z.B. in Ausbildungseinrichtungen, Heimen, Horten und der Schule", so Andreas Schumschal von der Koordinationsstelle Prävention des Ostalbkreises. Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge leiden in jeder Schulklasse ein bis zwei Kinder unter fortwährenden Attacken ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler. Die Folgen für die Betroffenen sind gravierend. Die Koordinationsstelle Prävention organisierte eine systemische Mobbinginterventionsfortbildung zusammen mit "Konflikt-KULTUR" aus Freiburg. Alexander Bundschuh, Erziehungswissenschaftler, Mediator und Ausbilder für Sozialtraining und systemische Mobbingintervention informierte in der Veranstaltung über die Dynamik von Mobbing, Fallstricke im Umgang mit Mobbing sowie die systemische Mobbingintervention.

Im Vordergrund stand das Wissen über Fallstricke und die Fähigkeit zur Umsetzung einer systemischen Intervention auf den Ebenen einzelner Person, gesamte Gruppe/Klasse und Einrichtung/Schule. Es ermöglicht eine nachhaltige Lösung des Problems und eine positive Entwicklung des Gruppenklimas und der Klassengemeinschaft. Das Programm orientiert sich an Dan Olweus. Er gilt als Gründervater der Erforschung von Gewalt an Schulen.

Die Bearbeitung von Mobbing und Cybermobbing an der Schule ist sehr aufwendig. Gleichzeitig leiden viele Verantwortliche an Schulen unter einem permanenten Zeitmangel. Zeitmangel und Unwissenheit verführen immer wieder zum Versuch eines zeitsparenden Umgangs mit Mobbing. Dabei verheddern sich Lehrer und Schulsozialarbeiter leicht in Fallstricke, aus denen sie selbst und die Betroffenen sich nur schwer befreien können. Z.B. beenden Einzelgespräche mit den Opfern kein Mobbing. Oder eine Intervention seitens der Eltern führt meist zu einer Verschlimmerung. Alexander Bundschuh zeigte in sieben Phasen die systemische Mobbingintervention. Dabei spielt die Nachsorge eine ganz wichtige Rolle. Durch eine Präsenz (Beobachtung, Kontrolle) wird die Wahrscheinlichkeit von erneuten Angriffen minimiert. Über Sanktionen wird eine normverdeutlichende Wirkung auf die Gruppe und eine Verhaltensanpassung bei den Tätern ermöglicht.

Im Anschluss erklärte Andreas Schumschal von der Koordinationsstelle Prävention das Unterstützungssystem von Mobbing an Schulen im Ostalbkreis. Zusammen mit der Schulpsychologischen Beratungsstelle, den Präventionsbeauftragten des Regierungspräsidiums, dem Polizeipräsidium Aalen und der Koordinationsstelle Prävention wurde eine Handreichung und kleine Übersicht über die Maßnahmen und Projekte zusammengestellt, welche von den genannten Partnern für die Schulen im Landkreis bei der Prävention und auch der Intervention bei Mobbing angeboten werden.

Im Rahmen der thematischen Reihe "GewaltPrävention" wird am Mittwoch, 21.02.2018 im Landratsamt Aalen, Stuttgarter Str. 41, Kleiner Sitzungssaal, von 14:30 bis 17:30 Uhr, Katharina X die Ursachen, Folgen und Lösungswege vorstellen. Katharina X war über ihre gesamte Schulzeit selbst Opfer von Mobbing. Sie hat zwei Bücher über ihre Geschichte, die Ursachen, Strukturen und Folgen sowie Lösungswege von Mobbing veröffentlicht.

Kontakt

Landratsamt Ostalbkreis

Pressestelle
Susanne Dietterle

Stuttgarter Straße 41
73430 Aalen

Telefon 07361 503-1312
Telefax 07361 50358-1312